Der Weihnachtsmann und der Datenschutz

„Nein“, wiederholte der Technikelf zum dritten Mal seine Antwort. Er konnte dem Weihnachtsmann nicht so ohne weiteres durch den Fernguckmonitor sehen lassen. Schließlich gelten auch für den Weihnachtsmann die Datenschutzgesetze. Und der Technikelf kann auch in dieser Hinsicht keine Ausnahme machen.  „Es müsse ein begründeter Verdacht vorliegen, damit wir von hier auf die Waldesruher schauen können. Und wenn der Verdacht vorliegt, dann müssen wir das Formular X-2018-01848 ausfüllen. In zweifacher Ausfertigung.“

Der Weihnachtsmann wusste nicht, ob er sich ärgern oder wundern sollte. Das also war die schöne neue moderne Zeit also. Noch nicht einmal der Weihnachtsmann konnte die modernen Techniken für sich nutzen. Überall waren Bürokraten zur Stelle, um jede Initiative zu unterbinden. Noch nicht einmal vor den Werkstätten des Weihnachtsmannes machten sie halt. Ob es dem Osterhasen genauso erging?

„Allerdings müsste ich jetzt einmal zu unseren Geschenkförderbändern gehen. Dort hat sich anscheinend etwas verklemmt“, ließ der Technikelf verlauten und lächelte dem Weihnachtsmann spitzbübisch zu. Der Weihnachtsmann brummte nur und sah zu, wie sich die Tür des Technikerbüros schloss.

Jetzt hatte er also etwas Zeit, die er nutzen konnte. Schnell setzte er sich an den Monitor des Fernguckgerätes. Gerade überflog der tberg-sat auch das Gebiet von Waldesruh. Mit fast feuchten Augen blickte der Weihnachtsmann auf die Waldesruher hinab. Kinderlachen ertönte aus den Lautsprechern und Stimmengewusel. Beschäftigt rannten die Menschen dort hin und her. Sie waren alle in Vorweihnachtsfreude und warteten auf das Weihnachtsfest. Die Wartezeit vertrieben sie sich mit ihrem wunderschönen Weihnachten in Waldesruh. Hoffentlich würde dieses Jahr alles glatt und ohne Komplikationen ablaufen. Aber dann würde unser Weihnachtsmann ja gar nicht auf seine Waldesruher treffen. Dem Weihnachtsmann wurde es immer wehmütiger ums Herz.

Edgar Ente ist ein Kind aus Waldesruh. Er interessiert sich sehr für die Natur und die Entwicklung seiner Heimat. Als Reporter hat er großen Anteil daran, dass der Ort Waldesruh quasi von der Öffentlichkeit „wieder entdeckt“ wurde und berichtet vornehmlich vom Leben aus diesem Ort.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.