Letzte Aktualisierung am 19. Februar 2021

An einen Weihnachtskrimi dachte Fräulein Krause heute morgen noch nicht. Als sie aufstand, war die Welt in Waldesruh noch in Ordnung. Es war 5 Uhr und es war kalt, jedoch für diese Jahreszeit eindeutig zu warm. Wehmütig dachte Fräulein Krause daran, daß dieses Weihnachten in Waldesruh wohl wieder ein Weihnachten ohne Schnee werden wird. Doch es kommt ja bekanntlich immer darauf an, was man daraus macht!

Fräulein Krause ist geschockt

WeihnachtskrimiIn der Nacht hatte Fräulein Krause gar nicht gut geschlafen. Immer wieder war sie hochgeschreckt, doch gleich wieder eingeschlafen. Einmal war ihr sogar, als hätte sie von ihrer Wohnung oben unterm Dach aus Reifen auf dem Marktplatz quietschen hören. Doch das war wohl nur ein Traum. Wer sollte denn auch mitten in der Nacht durch Waldesruh fahren?

Etwas zerschlagen ging Fräulein Krause in ihr kleines Badezimmer, duschte und legte ihre dezente Schminke auf. Dann ging sie in die Küche, knusperte für sich ein Brötchen vom Wochenende auf und legte sich ein Kaffeepad in ihre Kaffeemaschine. Bekanntlich sind die Kaffeepads der einzige Luxus, welchen sich Fräulein Krause selbst gönnt. Sie stellte ihr Radio an und deckte den Frühstückstisch für sich. Der Wetterbericht verlautete bis jetzt auch kein Wort über ein weißes Weihnachtsfest. Zumindest sollte es aber nicht regnen. Die Waldesruher Gemütlichkeit macht auch ein Weihnachten ohne Schnee zu einem Höhepunkt.

Nachdem Fräulein Krause ihr Frühstück beendet hatte räumte sie pflichtbewusst das Geschirr in ihre Spülmaschine (Energieeffiziensklasse A +++ eines deutschen Herstellers). Ein paar Krümel vom Brötchen wischte sie von ihrem Platzdeckchen auf und entsorgte sie im Eimer für den Biomüll. Dann zog sie ihren blauen Mantel an und setze sich das kecke Reiherfederhütchen auf den Kopf. Ein Blick in den Spiegel, ob auch alles korrekt saß und man sich auf die Straße trauen konnte. Ein kurzes Lächeln zum eigenen Spiegelbild und frohen Mutes stieg unser Fräulein Krause die Holztreppe hinab. Pünktlich um 6:30 Uhr wollte sie im Rathaus in ihrem Büro sein – so wie an jedem Morgen in der Woche.

Als Fräulein Krause aus der Haustür trat, verspürte sie die frische klare und saubere Morgenluft, die es so fast nur noch in Waldesruh gibt. Vor ihr lag der Weihnachtsmarkt mit seinen leuchtenden Lichtern, natürlich allesamt umweltbewusst mit erneuerbarer Energie gespeist. Dieses heimelige Gefühl ließ den Gute-Laune-Faktor bei ihr gleich noch einmal um zwanzig Prozentpunkte steigen. Fast schon wollte sie ihre Lippen spitzen, um ein kleines Weihnachtsliedchen zu trällern.

Doch schlagartig versteinerte ihre Miene und fast blieb ihr die Luft weg. Sie hatte sich schon darauf gefreut, der heiligen Familie einen guten Morgen zu wünschen. Diese Figurengruppe wurde dem Örtchen Waldesruh erst am 3. Advent von den hier ansässigen Spielzeugschnitzern geschenkt. Dieses Geschenk zeigte ihr, daß die Menschen hier gern in Waldesruh leben und wohnen. Doch was Fräulein Krause an diesem frühen Morgen nun vorfand, war nur das Jesuskind, welches unschuldig noch in seiner Krippe lag. Von Josef und Maria aber war weit und breit nichts zu sehen.

Fräulein Krause war sich sicher, daß die beiden ihr Kind nicht aus freien Stücken hier in Waldesruh auf dem Weihnachtsmarkt zurück gelassen hatten. Wie denn auch – schließlich sind die Figuren aus massivem Holz! Sie schaute vorsichtshalber noch einmal hinter die umstehenden Weihnachtsbäume. Vielleicht hatte sich jemand einen Scherz erlaubt? Aber nein, auch dort waren die beiden Figuren nicht zu finden. Nur an der Stelle, wo die beiden vorher standen, sah man ein Loch im Stroh.

An diesem frühen Morgen war niemand da, der Fräulein Krause helfen konnte. Was nun tun? Sie muss Hilfe holen, schoss es ihr plötzlich durch den Kopf. Nach den Sekunden der Unentschlossenheit zeigte sich nun die organisatorische Stärke von Fräulein Krause. Schnell eilte sie in ihr Büro und verständigte Egon Schulze. Auch Wachtmeister Hoffmann klingelte sie aus seinem Bett. Schließlich war hier in Waldesruh eine Entführung passiert! Nun mußte schnell gehandelt werden!

Spurensicherung am Tatort in Waldesruh

WeihnachtskrimiZur Spurensicherung am Tatort trafen sich die drei innerhalb von fünfzehn Minuten dort, wo bis vor ein paar Stunden noch die heilige Familie zu finden war.

Fräulein Krause eilte aufgeregt aus ihrem Büro dorthin, wo die vermissten Figuren einst zu finden waren. Sogar das kecke Reiherfederhütchen hing etwas schief auf ihrem Kopf. Doch darum konnte sich Fräulein Krause jetzt nicht kümmern. Sie sah bereits Wachtmeister Hoffmann am vermeintlichen Tatort stehen. Auch Egon Schulze bog gerade hastig um die Ecke. Ein paar andere Waldesruher hatten sich ebenfalls am frühen Morgen schon eingefunden. Langsam wurde es hell und es war immer noch kalt.

Wachtmeister Hoffmann jedoch schien nichts von der morgendlichen Kälte zu spüren. Er hatte alle Mühe damit, die Umstehenden zu beruhigen. Vor allem sollten alle ein paar Schritte zurücktreten, damit keiner eventuelle Spuren vernichten konnte. Immer dichter kamen die Waldesruher heran. Alle wollten natürlich wissen, was passiert war. Was sollte das werden, wenn nun auch noch die Urlauber aufwachen und hier ebenfalls auf dem Weihnachtsmarkt herumlaufen würden? Egon Schulze wusste natürlich Rat. Keine fünf Minuten später bog auch schon Bertram Baumeister mit dem LKW der Gemeinde um die Ecke und stellte die mitgebrachte Absperrung auf.

Nun konnte Wachtmeister Hoffmann in Ruhe der Spurensicherung nachgehen. Niemand konnte nun auch nur einen Teil der vorhandenen Spuren zunichte machen. Der Wachtmeister war zudem froh, daß er Edgar Ente in der Menge entdeckte. Dieser hatte natürlich seinen Fotoapparat mit. Wachtmeister Hofmann bat ihn um die Anfertigung von Beweisfotos.

Gründlich sah sich der Wachtmeister am Tatort um. Nicht ein klitzekleines Stückchen eines Beweises sollte ihm entgehen. Immer wieder bat er Edgar darum, hier ein Foto zu machen und dort noch eines. Spurensicherung war sein Lieblingsfach an der Polizeischule gewesen. Mit kriminalistischem Spürsinn notierte er jedes noch so kleine und unwesentlich erscheinende Detail.

Natürlich wollten die Umstehenden wissen, wie Maria und Josef  verschwinden konnten. Doch dafür hatte der Wachtmeister jetzt keine Zeit. Schließlich nahm Egon Schulze die Initiative in die Hand und sorgte dafür, daß alle Anwesenden sich beim Bärenwirt treffen sollten. Dankbar blickte ihn der Wachtmeister an. Dort konnte er später die Waldesruher danach befragen, ob sie etwas verdächtiges bemerkt hätten. So blieb der Wachtmeister mit Edgar Ente am Tatort zurück.

Gewissenhaft schaute sich der Wachtmeister um. Im Stroh waren keine Spuren zu finden. Nur hinter den Weihnachtsbäumen fand er Abdrücke von Damenabsatzschuhen. Nachdem Edgar von diesen Abdrücken Fotos gemacht hatte, nahm der Wachtmeister noch einen Gipsabdruck ab. Seltsam! Jede der Figuren war allein zu schwer für eine Person. Die Gemeindearbeiter hatten zu dritt schon beim Aufstellen der Figuren Mühe gehabt. Wie sind die Figuren verschwunden?

Im zertrampeltem Stroh konnte er keine weiteren Spuren finden. So vergrößerte Wachtmeister Hoffmann seinen Suchumkreis. Siehe da, am Rand der Ortspyramide entdeckte er Spuren von Autoreifen. Ein Auto mitten auf dem weihnachtlichen Marktplatz im beschaulichen Waldesruh? Er sah genauer hin und bückte sich. Mit einem triumphierenden Lächeln richtete er sich auf und hielt etwas in der Hand.

Edgar Ente kam nun auch näher und erkannte, daß es Stroh war, was der Wachtmeister in der Hand hielt. Für beide war gleich klar, daß die Täter ihre Opfer hier an ihrem Standort gleich auf einen LKW verladen hatten. Sie mussten also nur den Reifenspuren folgen und ermitteln, wessen Abdrücke es waren. Doch das war sicher zu leicht gedacht. Gleich hinter dem Weihnachtsmarkt war die Durchgangsstraße und hier verloren sich auch die Reifenspuren. Eigentlich konnte Wachtmeister Hoffmann ja zufrieden sein. Sein erster eigener und richtiger Kriminalfall hier in Waldesruh!

Wenn es nur nicht so ernst wäre! Was war in der Nacht geschehen? Wo waren Maria und Josef? Warum wurde das Jesuskind hier allein zurück gelassen? Der Wachtmeister sammelte sein Werkzeug zusammen und bat Edgar noch um ein paar Fotos. Dann gingen beide ebenfalls zum Bärenwirt hinüber um mit der Zeugenbefragung zu beginnen.

Zeugenbefragung in Waldesruh

WeihnachtskrimiWachtmeister Hoffmann und Edgar Ente eilten also zum Bärenwirt hinüber um mit der Zeugenbefragung zu beginnen. Der Saal beim Bärenwirt war gut gefüllt. Den beiden von draussen kommenden schlug beim Öffnen der Tür der typische Gasthausdunst entgegen. Die anwesenden Waldesruher kannten natürlich nur ein Thema: das Verschwinden von Maria und Josef. Auch einige Urlauber hatten sich bereits zu einem späten Frühstück im Speisesaal eingefunden und waren erstaunt ob der hektischen Betriebsamkeit. Sonst war doch hier in Waldesruh alles so beschaulich.

Der Bärenwirt brachte auch gleich frischen Kaffee für die beiden Hinzugekommenen. In einem kleinen Raum hinter dem Speisesaal zogen sich Wachtmeister Hoffmann, Edgar Ente, Egon Schulze und das noch immer schockierte Fräulein Krause zurück. „Das wird nun unser Hauptquartier!“ bestimmte der Wachtmeister.

Doch wen sollten sie als Zeugen befragen? Hatte überhaupt jemand etwas von dem Vorfall in der Nacht mitbekommen? Als erstes erzählte das noch schockierte Fräulein Krause, wie sie die fehlenden Figuren bemerkte. Natürlich auch, daß sie die Figuren hinter den Bäumen bereits gesucht hätte. Wachtmeister Hoffmann ahnte etwas und bat das Fräulein, ihm doch bitte die Schuhe zu zeigen. Fräulein Krause sah ihn etwas verwirrt an, hob aber ihren linken Fuß. Der Damenschuh war etwas angeschmutzt und auch etwas Stroh hing noch an ihm. Das war sonst gar nicht die Art von Fräulein Krause.

Der Wachtmeister verglich die Sohle des Schuhes von unserem Fräulein Krause mit seinem vor Ort gemachten Abdruck des Damenschuhs. Unverkennbar war es ein und derselbe Schuh. Da nun aber keiner der anwesenden Waldesruher annahm, daß das Fräulein Krause der Täter war, schien sich dieser Beweis in Luft aufzulösen.

Aber so leicht lässt sich kein Waldesruher entmutigen! Wachtmeister Hoffmann fragte noch einmal nach, ob sich Fräulein Krause an nichts erinnern könne, auch das unwichtigste Detail sei vielleicht hilfreich. Da fiel es dem Fräulein ein: „Die Autoreifen! Mir war es, als ob ich in der Nacht quietschende Autoreifen auf dem Weihnachtsmarkt gehört habe. Das ist doch seltsam, ein Auto mitten in der Nacht in Waldesruh! Mir war so, als ob das Auto dann hinauf zur Rukollamühle gefahren wäre.“

Der Wachtmeister notierte sich diese Aussage in den Notizblock, welchen er immer bei sich trug und wo er auch sonst alles notierte. Egon Schulze, der zwischenzeitlich den Raum verlassen hatte, kam in diesem Augenblick wieder herein. „Leider hat von den anderen Waldesruhern niemand etwas bemerkt. Aber wir werden sofort noch Handzettel drucken und diese überall im Ort verteilen.“ Zustimmend nickten der Wachtmeister und Edgar Ente. „Und wir werden uns jetzt gleich einmal die Straße zur Rukollamühle anschauen“, legte der Wachtmeister fest. Egon Schulze nahm das wieder ruhigere Fräulein Krause in den Arm und eilte mit ihr zum Rathaus.

Weitere Spuren im Entführungsfall Waldesruh

WeihnachtskrimiNun hält Wachtmeister Hoffmann Ausschau nach weitere Spuren im Falle der Entführung von Josef und Maria. Egon Schulze druckt und verteilt währenddessen zusammen mit Fräulein Krause Handzettel über die Entführung in Waldesruh.

Aufmerksam schreiten Wachtmeister Hoffmann und Edgar Ente die Straße zur Rukollamühle entlang. Glücklicherweise hatte es seit gestern Abend nicht geregnet. Somit waren eventuelle Spuren noch nicht fortgewaschen und konnten noch erkannt werden. Jedoch sahen die beiden nur ein Gewirr aus verschiedenen Reifenspuren, wie sie beim Bremsen entstehen. Es war einfach nichts aussagefähiges zu erkennen. Plötzlich ließ eine Windböe vor den beiden aufmerksamen Betrachtern einige Strohhalme aufflattern.

Stroh? Die Figuren standen doch im Stroh? Und an der mutmaßlichen Verladestelle war auch etwas Stroh gefunden wurden? – ging es zeitgleich bei Wachtmeister Hoffmann und Edgar Ente durch die Köpfe. Beide sahen sich an. Tatsächlich! Eine kleine Spur aus Stroh zog sich am rechten Rand der Straße hinauf zur Rukollamühle. Waren die Täter dort zu finden? Die beiden Detektive folgten der Spur aus Stroh bis hinauf zur Rukollmühle. Mal war sie deutlich zu sehen, mal hatte die Fährte größere Lücken. Aber es sah so aus, als ob das Stroh von einer Kutsche gefallen war. Oder einem LKW?

Kurz vor der Rukollamühle kam den beiden Bauer Heinrich entgegen, aufgeregt und seltsamerweise ziemlich nüchtern. „Wachtmeester, jut dass de kummst, da war wer un häd min Streu jeklaud. Jestern obent wars noch uff de Tenne un nu wollte isch de Schappe fiddern un da war keen Ballen mehr do! (Wachtmeister, gut, daß ich dich hier treffe! Jemand hat mein Stroh geklaut. Gestern abend hatte ich es noch auf dem Scheunenboden bereit gelegt und nun wollte ich mich um die Schafe kümmern, da war aber nichts vom Stroh mehr da.)“

„Komm Heinrich, du warst gestern wieder beim Bärenwirt und hast zu tief ins Glas geschaut.“ lachte Edgar Ente. „Nee, was isch nich. Isch war heeme bei meene Rosi. (Nein, ich war zu Hause bei meiner Rosi (also die Frau jetzt und nicht die Sau aus dem Stall.)“ nuschelte aufgeregt der Bauer. Definitiv war dem Bauer Heinrich wohl auch etwas Stroh gestohlen wurden letzte Nacht. Was war nur im beschaulichen Örtchen Waldesruh passiert? Wachtmeister Hoffmann notierte die Angaben von Bauer Heinrich. Er versprach ihm, sich sofort um seinen Fall zu kümmern, sobald er Zeit hatte. Nur musste er vordringlich die Eltern des verlassenen Jesus wiederfinden. Schließlich war in knapp einer Woche Weihnachten!

An der Rukollamühle schaute Tante Rukolla aus der Tür hinaus. Fröhlich winkte sie den beiden ernst dreinblickenden Detektiven zu. Anscheinend hatte sie noch nichts von den Geschehnissen der letzten Stunden erfahren. „Guten Tag die Herren, was schaut ihr so bedeppert drein? Kommt erst einmal in die gute Stube auf einen Kaffee!“ lud sie Wachtmeister Hoffmann und Edgar Ente in das alte Mühlencafé ein. Ihre angeborene und energische Art duldete keinen Widerspruch. Die beiden Herren ließen sich deshalb nicht lange bitten und folgten Tante Rukolla. Schnell waren die Vorkommnisse erzählt. Leider hatte Tante Rukolla auch nichts bemerkt. Sie versprach aber Augen und Ohren offen zu halten.

Nachdem die Becher des leckeren Mühlenkaffees mit Sahnehäubchen und einem Schuß vom Waldesruher Bitterblubber geleert waren, machten sich Wachtmeister Hoffmann und Edgar Ente wieder auf den Weg. Die Spur führte weiter die Straße entlang in Richtung Wilhelmsbrunn.

Neue Beweise im Weihnachtskrimi von Waldesruh

WeihnachtskrimiEs fehlen einfach neue Beweise. Wachtmeister Hoffmann und Edgar Ente verfolgen deshalb weiter die Spur aus Stroh nach Wilhelmsbrunn. Hinter der Rukollamühle zweigte die Spur aus Stroh plötzlich nach rechts in den Wald des Nationalparkes ab. Waren die gestohlenen Figuren doch nicht in Wilhelmsbrunn zu finden? Schnell entschieden sich die beiden Detektive, Wachtmeister Hoffmann und Edgar Ente, dazu der Spur aus Stroh zu folgen.

Die Sonne schien am blauen Himmel über den Nationalpark von Waldesruh. Trotzdem es weiterhin kühl war, sangen die Vögel in den Büschen und Bäumen. Doch für die Schönheiten der Natur  hatten die beiden Männer zur Zeit kein Ohr. Kurz hinter der ersten Wegbiegung sprang ein Rudel Hirsche in den Wald. Wahrscheinlich hatten sich Hirsch Hubertus und seine Familie vor den urplötzlich auftauchenden Menschen erschrocken.

An der Stelle, wo die Hirschfamilie stand, fand der Wachtmeister und sein Begleiter einen Haufen Stroh und Heu. So sehr sie auch weiter suchten, die Spur endete hier! Einzig ein paar Reifenspuren führten den Weg wieder zurück. War die Spur aus Stroh gar nicht die Spur zu den entführten Figuren?

Edgar Ente mutmaßte bereits, daß die Waldarbeiter von Förster Grünrock bereits hier für die alljährliche Weihnachtsfütterung der Waldtiere das Stroh und Heu zwischengelagert hatten. Der Förster kam auch gerade um die Ecke gebogen. „Nein, die Weihnachtsfütterung mit den Kindern ist erst nächste Woche geplant.“ verneinte er die entsprechende Frage vom Wachtmeister. „Aber Heu und Stroh nehmen wir dann direkt vom Forsthaus mit.“. Bevor der Wachtmeister sich weiter mit dem Förster unterhalten konnte, klingelte aber sein Diensttelefon.

Das mittlerweile wieder gefasste Fräulein Krause war am Apparat. Ein Mitarbeiter der Spielzeugwarenmanufaktur war aufgrund der verteilten Handzettel bei ihr im Büro erschienen. Er erzählte ihr, daß heute morgen die Tür zum Lager der Manufaktur aufgebrochen wurde. Der Mitarbeiter war etwas früher zur Arbeit erschienen, weil er die zum Versand fertig gestellten Pakete und Päckchen mit den Spielzeugen noch einmal auf seiner Liste kontrollieren wollte. Von den Paketen und Päckchen fehlte jedoch nichts. Allerdings bemerkte er das Fehlen von zwei leeren, 1,80 m großen Holzkisten. Diese seien passend für die fehlenden Figuren gewesen, meinte er.

Also vielleicht eine weitere neue Spur! Für die beiden Ermittler war bereits klar: die Diebe haben in der Nacht die beiden Figuren vom Weihnachtsmarkt gestohlen, dann das Stroh und Heu vom Bauer Heinrich und die Kisten aus der Spielzeugwarenmanufaktur. Dann sind sie mit dem Diebesgut hierher in den Wald gefahren und haben die Figuren mit dem Stroh sicher in den Kisten verpackt.

Warum verpackt man etwas? Man will es sicher verschicken! Einer, der hier näheres wissen müsste, war Egbert Müller, der Bahnhofsvorsteher und Geschäftsführer der Waldesruher Logistikgesellschaft WLG. Der müsste zu dieser Zeit in Wilhelmsbrunn im Büro sein. Schnell fertigte Edgar Ente noch ein paar Beweisfotos an und die beiden Detektive schwangen sich auf das Moped vom Förster. Zurück ließen sie einen verdutzten Förster Grünrock allein im Wald.

Letzte Chance für das Weihnachtsfest

WeihnachtskrimiEs war die letzte Chance für Weihnachten. Außer ein paar unsicheren Spuren hatten die beiden Waldesruher Detektive jedoch nichts greifbares heraus gefunden. Die Zeit lief unerbittlich ab.

Wie erwartet trafen Wachtmeister Hoffmann und Edgar Ente den Geschäftsführer der Waldesruher Logistikgesellschaft WLG, Egbert Müller bei der Arbeit auf dem Betriebshof in Wilhelmsbrunn an. Ihm schilderten sie die Vorfälle der letzten Nacht und ihre Vermutungen. Leider konnte Egbert Müller den beiden aber auch nicht weiterhelfen.

Am nahegelegenen Bürogebäude wurde plötzlich ein Fenster aufgerissen und einer der diensthabenden Disponenten rief zu den Dreien hinüber: „Egbert, hier ist noch ein Anruf für einen kurzfristigen Transport von Waldesruh nach Ostereistedt. 2 Kisten, die stehen schon am Bahnhof, die können doch gleich noch mit der Regionalbahn los oder?“ Egbert reagierte unbewusst: „Klar, der Zug muss erst in fünf Minuten abfahren. Wie groß sind die denn?“ „Jede 1,80 m!“

!!! Die drei Männer sahen sich  an und schneller als man einen Atemzug nehmen konnte, waren sie am Fenster und rissen dem Mitarbeiter die fertigen Frachtpapiere aus der Hand. Als Absender der Kisten war die Spielwarenmanufaktur Waldesruh eingetragen. Empfänger war ein Hanni Hase, Am Waldrand 12, 27404 Ostereistedt.

„Der Zug darf nicht abfahren!“ rief Wachtmeister Hoffmann dem Mitarbeiter zu , der ihn nur fragend anblickte. „Egbert, sorg dafür, daß der Zug unter keinen Umständen abfährt! Wir brauchen 10 Minuten zum Bahnhof. Vielleicht haben wir Glück!“ Egbert Müller, der aufgrund seiner Tätigkeit als Bahnhofsvorsteher unpünktliche Züge zwar über alles hasste, nickte jedoch nur verständnisvoll.

Die zwei Detektive schwangen sich sofort wieder auf das Moped von Förster Grünrock und rasten zum Bahnhof nach Waldesruh. Wenn ihnen das Glück gewogen war, handelte es sich bei den zwei Kisten um die gesuchten Figuren. Wenn nicht, so sah es düster aus! Ohne Josef und Maria gäbe es kein Kind in der Krippe. Und ohne Kind in der Krippe auch kein Weihnachtsfest, kein Weihnachten in Waldesruh, keine besinnliche Zeit, keine Liebe, keine Gemütlichkeit. Die Lichter und die Hoffnung würden für die Menschen verschwinden. Kurzum, es wäre wirklich düster und dunkel.

Keine Beweise, nur zwei verschwundene Figuren, gestohlenes Stroh und Kisten. Wer hätte ein Interesse daran, daß es Weihnachten nicht mehr geben sollte?  Ein kleiner Hoffnungsschimmer blieb aber als letzte Chance für das Weihnachtsfest. Wachtmeister Hoffmann und Edgar Ente beeilten sich zum Bahnhof nach Waldesruh zu kommen.

Glückliche Fügung im Weihnachtskrimi von Waldesruh

WeihnachtskrimiEs schien doch noch eine glückliche Fügung im Weihnachtskrimi von Waldesruh zu geben. Knatternd brachte Wachtmeister Hoffmann das Moped von Förster Grünrock am Bahnhof zum Stehen. Edgar Ente sprang schnell vom Sozius und beide rannten durch die Bahnhofshalle auf den Bahnsteig. Glück gehabt! Die Regionalbahn nach Wilhelmsbrunn stand dampfend auf dem Gleis. „Wie lange sollen wir hier noch warten? Wir haben einen Fahrplan einzuhalten!“ beschwerte sich der Lokführer beim Wachtmeister. Doch der winkte nur ab: „Wo sind die Kisten?“.

Zusammen mit dem Schaffner gingen die beiden in den Gepäckwagen. Hier standen wie erwartet neben Postsäcken, Fahrrädern und Paletten auch zwei Holzkisten. Jede 1,80 m lang und adressiert an Hanni Hase, Am Waldrand 12, 27404 Ostereistedt. Hatten die beiden Detektive die gestohlenen Figuren gefunden? Es konnte hier nur eines Gewissheit bringen, die Kisten mußten geöffnet werden. „Hier ist Gefahr im Verzug, also machen wir die Kisten auf!“ bestimmte Wachtmeister Hoffmann. Damit nutzten die Protestes des Schaffners nichts mehr. Schnell wurde das benötigte Werkzeug organisiert.

Der Wachtmeister wollte gerade einen Hebel ansetzen, da kribbelte es auf seiner Haut und er mußte niesen: „Hatschi!“. Dabei war der Wachtmeister doch gar nicht erkältet. Als er hochschaute, um sich ein Taschentuch aus seiner Tasche zu holen, blickte er in das bleiche Gesicht von Edgar Ente. Dieser schaute den Wachtmeister mit großen Augen und offenen Mund an. Zumindest schaute er in seine Richtung. Der Wachtmeister drehte sich langsam um. Was er sah, ließ den Hebel aus seiner Hand auf den Boden des Eisenbahnwaggons fallen.

Vor den beiden Detektiven und dem Schaffner stand ein Hase! Nicht einer von der Sorte, wie ihn die Waldesruher in ihren Ställen haben. Nein, dieser Hase war fast so groß wie die drei Männer hier in diesem Waggon und außerordentlich gut gekleidet. Der Hut, welchen er auf dem Kopf trug, hatte zwei Löcher für die Hasenohren. „Meine Herren, Hanni Hase ist mein Name. Ich habe ihnen wohl etwas zu erklären!“ mümmelte er gut vernehmbar.

Da sich von den drei Männern sichtlich noch keiner gefasst hatte, fuhr der Hase fort: „Ich bin vom Beruf Osterhase. Das mag jetzt merkwürdig klingen, es ist aber einfach so. In diesem zwei Kisten finden sie die beiden gesuchten Figuren. Bitte öffnen Sie sie und überzeugen Sie sich.“

Das war selbst für den stärksten Wachtmeister zuviel. „Wawawawarum?“ konnte Wachtmeister Hoffmann nur stottern. „Meine Herren, setzen Sie sich bitte.“, sprach der Hase und holte für jeden der drei Männer aus seiner Reisetasche ein kleines Fläschchen vom Waldesruher Bitterblubber„Mein Verhalten war kindisch, ich gebe es zu. Aber seit Jahren kümmern sich die Menschen nicht mehr um das wirkliche Weihnachten und schon gar nicht um Ostern. An den Weihnachtsmann und an mich glauben noch nicht einmal mehr die Kinder. Alles ist so hektisch geworden und nur auf Kommerz aus. Und bei alldem wird Weihnachten vorgezogen und das Osterfest fast vergessen!“ erklärte der Hase mit heruntergeklappten Ohren.

Dann haben die Waldesruher mit Weihnachten in Waldesruh angefangen. Alles ist perfekt und die Familien nehmen sich Zeit füreinander. „Ich bekam es einfach mit der Angst, daß es einfach zu Ende sei mit Ostern. Deshalb habe ich die Eltern des kleinen Krippenkindes entwendet. Ich dachte mir, wenn der 24. Dezember vorbei ist und es gibt kein Kind mehr, dann gibt es auch kein Weihnachten. Dann müsste die ganze Welt nur noch Ostern feiern und ich hätte weiter meine Berechtigung.“ Doch je mehr er selbst über seine Tat nachdachte, desto unwohler wurde es ihm. Wer weiß, ob das Osterfest denn überhaupt ohne Weihnachten auch existieren würde. Es hingen doch beide irgendwie zusammen. „Obwohl der Weihnachtsmann und ich immer schon um die Gunst der Kinder gestritten haben.“

So habe er als Osterhase dafür gesorgt, daß die Detektive erfahren hatten, wo die fehlenden Figuren zu finden seien. „Und jetzt nehmen Sie mich bitte fest! Ich habe ein unfassbares Verbrechen begangen.“ Nachdem der Hase mit seinen Ausführungen geendet hatte, herrschte für zwei Minuten tiefe Stille im Eisenbahnwaggon. Edgar Ente war der Erste, der sich räusperte: „Herr Hase, Sie und der Weihnachtsmann sind wohl die besten Erinnerungen von uns an unsere Kindheit. Wir können Sie nicht festnehmen!“ Wachtmeister Hoffmann und der Schaffner nickten zustimmend. „Helfen Sie uns, die Figuren zurück zum Weihnachtsmarkt zu bringen. Dann gehen wir zum Bärenwirt. Dort warten die Waldesruher bestimmt schon auf unsere Rückkehr. Wir machen uns Gedanken! Ich bin sicher, wir finden eine Lösung, wie wir Weihnachten und Ostern wieder feiern können. Jedes zu seiner Zeit, aber beides gleichwertig!“

Noch ehe Edgar Ente seinen Satz beendet hatte, fanden sich die drei Männer auf dem Weihnachtsmarkt wieder. Vor ihnen stand in trauter Zusammengehörigkeit die heilige Familie. Vom Osterhasen war jedoch weit und breit nichts zu sehen. Selbst das Kribbeln in der Nase bei Wachtmeister Hoffmann war verschwunden. Waren die letzten Stunden nur geträumt? Nein, die Uhr der Kirche zu Waldesruh schlug soeben achtzehn mal. Es war 18 Uhr. Die Waldesruher und ihre Gäste strömten zum Weihnachtsmarkt um das Wunder von Waldesruh zu sehen. Die Figuren waren also wirklich verschwunden gewesen!

Auch Fräulein Krause und Egon Schulze kamen aus dem Rathaus gelaufen. Fräulein Krause hatte wieder einige Tränen im Auge – doch diesmal vor Freude! Überschwenglich drückte sie die beiden Detektive an sich. Maria und Joseph waren wieder da. Nun war Weihnachten nicht verloren! Der Weihnachtskrimi in Waldesruh war mit einer glücklichen Fügung gelöst.

„Jetzt kann es ein fröhliches Weihnachtsfest werden!“ jauchzte sie erfreut. „Wir sollten uns aber nach dem Fest einmal über Ostern unterhalten“, flüsterte ihr Edgar Ente zu. Fragend blickte Fräulein Krause ihn an. „Später …“ entgegnete er.

„… jetzt wollen wir nur allen Besuchern, Freunden, Bekannten und allen Menschen da draussen ein gesegnetes, besinnliches und fröhliches Weihnachtsfest wünschen! Verbringt und nutzt die Zeit zusammen mit denen, die euch etwas bedeuten. Und vor allem: bewahrt das Kind in euch, auch wenn ihr schon längst erwachsen seit!“

Fröhliche Weihnachten aus Waldesruh