Eigentlich wollte ich mich dieses Jahr nicht mehr hier mit einem neuen Beitrag melden. Jedoch erreichte mich heute früh die Nachricht, dass eines meiner Lieblingsblogs offline geht. Der Prinz-ESC-Blog hört auf.

Der Prinz-ESC-Blog hört auf

Der Prinz-ESC-Blog hört auf

Immer wieder gern habe ich diesen Blog gelesen, der eigentlich mehr war als ein Blog. Zehn Jahre haben die Kollegen dort Wissenswertes und Unterhaltsames zusammengetragen. Immer waren sie eine zuverlässige Informationsquelle und ziemlich nah dran. Ihre Liveberichte, Vorentscheidungsdiskussionen und ihre Blicke hinter die Kulissen waren schon manchmal etwas nerdhaftig. Trotzdem merkte man, hier sind Blogger am Werk, die mit Herz und Seele schreiben.

Einige der dortigen Blogger habe ich persönlich während der vielen Eurovisionsjahre kennen- und schätzengelernt. Jetzt verabschiedet sich also der Prinz-ESC-Blog und damit verliert die deutschsprachige Community eines ihrer besten und grössten Standbeine.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Über die Jahre entwickeln sich ein Blog und die Menschen dahinter. Veränderungen sind normal. Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Webseite soll bei 100 Tagen liegen. Da sind zehn Jahre schon ein wahrer Methusalem.

Neues aus der Eurovisionsblase - unterwegs mit eurovisionlive.com

Zum Bloggen muss man Idealist sein

Für das Betreiben eines Blogs benötigt man jede Menge Zeit, Nerven, Ideen und vor allem Herzblut. Es muss einfach Spass machen zu bloggen! Man muss einfach ein Idealist sein, um erfolgreich zu bloggen. Dann entsteht etwas grosses und einzigartiges, wie eben der Prinz-ESC-Blog.

Ich führe meine Seite allein. Trotzdem kostet mich der Blog hier auch viel Zeit. Dennoch ist mein Eurovisionsbereich nur ein kleines Teilstück. Eines unserer anderen Projekte – www.eurovisionlive.com – führen wir zu fünft. Auch hier gehen die Meinungen und Ansichten teilweise ziemlich auseinander. Trotzdem haben wir es seit 2001 geschafft, unsere Eurovisionwebseite am Laufen zu halten.

Zu den internen Gründen dazu, warum der Prinz-ESC-Blog aufhören möchte, kann ich nichts sagen. Zu einigen externen Gründen sehr wohl. Auch der ESC hat sich in den letzten Jahren weiter entwickelt. Trotzdem sind es immer wieder die alten und ewig gleichbleibenden Rituale. Man pendelt zwischen Proben, Pressekonferenzen, meet & greets und anderen Veranstaltungen hin und her. Zwischendurch sitzt man genervt bei Kunstlicht in einer als Pressezentrum umgebauten Turnhalle. Oder wartet, wartet, wartet …

Neues aus der Eurovisionbubble

Beim ESC sind die guten alten Zeiten vorbei

Der ESC ist grösser geworden. Dementsprechend sind die einzelnen Zeitfenster kürzer. Man muss sich nun entscheiden, wohin man gehen möchte und wovon man berichtet. Bei guter Absprache ist das kein Problem, bei einer entsprechenden Anzahl von Mitstreitern ebenfalls nicht. Allerdings werden zusätzlich noch von anderen Seiten Steine in den Weg gelegt.

Ich erinnere mich an lange quälende Wartezeiten vor den Interviewkabinen. Oder an kurzfristig wieder abgesagte Interviews. Immer öfter sind die Künstler und die Delegationen unter sich und der Zutritt zu diversen Veranstaltungen ist extrem eingeschränkt. Das letzte Mal, wo man beim Eurovision Song Contest wirklich das Gefühl hatte, dabei zu sein, war 2015 in Wien. Die letzte offizielle Eröffnungsfeier, die wir miterleben durften, war 2011 in Düsseldorf. Ebenfalls in Düsseldorf waren wir auf der letzten offiziellen After-Show-Partie.

Auch bei den Akkreditierungen braucht man oftmals starke Nerven. Im letzten Jahr war es sogar soweit, dass es erst am letzten Tag der Akkreditierungsphase die ersehnte Zusage gab. Günstige Flüge und Hotels waren zu diesem Zeitpunkt für Lissabon natürlich nicht mehr verfügbar. Alle diese Dinge machen den Songcontest immer unattraktiver.

Man investiert Geld und Urlaubstage für dieses Event. Ressourcen, die man sonst besser nutzen könnte. Auch beim ESC sind die guten alten Zeiten vorbei. So ist es auch kein Wunder, dass mehr und mehr der „alten“ Fanmedien aufhören. Der Abgang vom Prinz-ESC-Blog reisst damit gerade in der deutschsprachigen Community ein grosses und schwer zu schliessendes Loch.

Der Prinz-ESC-Blog hört auf

Hiermit möchte ich ein grosses Danke! sagen für zehn Jahre Unterhaltung mit euch. Den Bloggern vom Prinz-ESC-Blog wünsche ich für die Zukunft alles Gute. Ich bin mir aber sicher, dass man von dem einen oder anderem Blogger wieder etwas hören wird.