Letzte Aktualisierung am 12. November 2020

tbIn loser Folge druckt der Waldesruher Tagesbote   exklusiv das geheime Tagebuch von Kaiser Wilhelm ab. Der Fund des Tagebuches war eine Überraschung für den kleinen unbekannten Ort im Harz. Heute lesen Sie den achten Teil der Aufzeichnungen, welche noch nie zuvor an die Öffentlichkeit geraten sind! Das ursprünglich in Sütterlin geschriebene Tagebuch haben wir für unsere Leser gern übersetzt.

1865, Mitte April

es ist so herrlich wieder hier in meinem Waldesruh zu sein! Die gute Luft und der Wald tun gut und es ist eine gute Gelegenheit den Kopf freizubekommen von den Geschäften in Berlin.

Leopold von Anhalt versteht es vortrefflich in seinem kleinen Lande zu wirtschaften. Er ist mir ein treuer Bundesgenosse und auch gut zu seinen Leuten. Auch die Waldesruher wissen nur Gutes über ihn zu erzählen.

Könnte ich das doch auch von den Österreichern sagen! Jetzt haben wir endlich Frieden mit den Dänen, fängt nun Franz-Joseph an zu streiten.  So kann die deutsche Einheit des Vaterlandes nicht gelingen. Bismarck soll endlich auf den Tisch hauen und Nägel mit Köpfen machen.

Egal, der Regierungsalltag in Preussen ist weit weg. Hier bin ich Mensch, hier darf ich es sein. Ich liege unter dieser herrlichen alten starken Eiche und schaue den Wolken zu, wie diese am Himmel entlangziehen. Ich höre den Specht im Baum klopfen und das Singen der Vogel und geigen der Zikaden macht mich schläfrig. Von ferne krächzt ein Kolkrabe und die Eichelhäher zetern in den Baumkronen.

Gestern war ich mit dem Förster auf Pirsch und wir konnten einen kapitalen Bock schiessen. Auch haben wir viele Sauen gesehen. Der Förster präpariert mir das Gehörn vom Bock und ich werde es in mein Schreibzimmer hängen, Immer wenn ich dann darauf schaue, soll es mich an diesen wundervollen Ort erinnern.

Heute abend geht es auf den Festplatz, die Waldesruher machen Tanzmusik und ich bin mit eingeladen. Für den Bärenwirt haben sie extra ein Schwein geschlachtet deswegen. Das wird ein lustiges Fest heute abend!

Mit Grauen denke ich nur schon wieder an die Geschäfte in Berlin.