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tbIn loser Folge druckt der Waldesruher Tagesbote   exklusiv das geheime Tagebuch von Kaiser Wilhelm ab. Der Fund des Tagebuches war eine Überraschung für den kleinen unbekannten Ort im Harz. Heute lesen Sie den sechsten Teil der Aufzeichnungen, welche noch nie zuvor an die Öffentlichkeit geraten sind! Das ursprünglich in Sütterlin geschriebene Tagebuch haben wir für unsere Leser gern übersetzt.

1864, Ende Septembers

Ich darf wieder einmal hier bei meinen lieben Waldesruhern sein! Wie habe ich sie vermisst! Ganz anders als diese intriganten Hofschranzen in Berlin. Das Wetter ist herrlich und gleich bei der Ankunft hier an diesem wunderherrlichem Orte bereitete mir der Bärenwirt mit seinen Waldesruhern Speckknödeln ein herrliches Erlebnis.

Förster Grünrock will mir die Brunftplätze der starken Hirsche zeigen, deshalb treffe ich ihn hier im Wirtshaus und wir gehen in der Dämmerung raus hinauf zum Hirschkopf. Schon vom weitem höre ich das tiefe Röhren eines Hirsches. Es muss ein ganzer kapitaler Bursche sein!

Je naher wir dem Hirschkopfe kommen umso mehr höre ich von allen Seiten ein Röhren und Schnauben. Es müssen diese Nacht wohl an die zehn Hirschen sein. Am Hirschkopf besteigen wir eine vom Förster gebaute Kanzel direkt am Rande der Hirschkopfwiesen und es dauert gar nciht lange, da betritt eine Gruppe von Kahlwild die Weise. Gefolgt von einem kapitalen 24er. Ein staatliches Tier. Der Förster deutet auf die andere Seite der Wiesen zum Wald hin.

Dort im Mondlichte erkenne ich einen weiteren Hirsch – fast schwarz  mit dicker Brunftmähne. Zielstrebig nimmt er Witterung auf und zieht dem Rudel entgegen. Mitten in der Wiesen stoppt er plötzlich. Förster Grünrock bedeutet mir, dass dieses wohl die Grenze seines Revieres sein würde. Hier rennt der Hirsch nun auf und ab und versucht das Kahlwild zu beeindrucken . Immer wieder lässt er seine Rufe ertönen und der 24er hat Mühe die Weibchen bei sich zu halten.

Die Tiere wechseln eines nach den anderen über die unsichtbare Grenze hinüber zu dem Schwarzen. Der 24er versucht zwar mit seinen Körper die Tiere zurück zuhalten, jedoch gelingt ihm das nicht. ganz am Ende steht er nun allein auf der Wiese im Mondlicht, während der Schwarze scheinbar mit seinem Erfolg zufrieden ist und mit den Tieren im Wald verschwindet.

Auch wenn diesmal wieder mein Jagdgewehr im Wirtshaus geblieben ist, so war doch dieses Erlebnis eines der reinsten und unverfälschtesten, welches Gott mich erleben lassen wollte. Dieses gibt mir wieder die dringend nötige Kraft um den Regierungsgeschäften in Berlin nachzugehen. Wie danke ich meinen Waldesruhern nur …

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