tbIn loser Folge druckt der Waldesruher Tagesbote   exklusiv das geheime Tagebuch von Kaiser Wilhelm ab. Der Fund des Tagebuches war eine Überraschung für den kleinen unbekannten Ort im Harz. Heute lesen Sie den achten Teil der Aufzeichnungen, welche noch nie zuvor an die Öffentlichkeit geraten sind! Das ursprünglich in Sütterlin geschriebene Tagebuch haben wir für unsere Leser gern übersetzt.

1866, im Oktober

endlich! Der Bruderkrieg im deutschen Lande ist vorbei. Preussen hat gesiegt, die Österreicher sind geschlagen und wir haben wieder Frieden. Viel zu viel Blut wurde vergossen ehe es endlich zum Frieden kam. Über die Ursachen und das Ende dieses Krieges werden sicherlich die Geschichtsschreiber in späteren Jahren diskutieren.

Hier im friedlichen Waldesruh gehen die Uhren wie ehedem langsamer. Hier kann ich mich wie immer abseits der großen Politik und der Regierungsgeschäfte erholen.

Es ist Brunftzeit und die Hirsche kämpfen um ihre Weibchen. Bei dem Anblick, den die Tiere jetzt bieten, schlägt mein Jägerherz höher. Gestern nach meiner Ankunft war ich bereits oben auf dem Hirschkopf und habe die Aussichten hier sehr genossen. In aller Frühe bin ich heute auch schon wieder mit Förster Grünrock im Revier unterwegs gewesen. Die alten bekannten Hirsche sind noch alle da und Leopold hat einen für mich zum Abschuss gegeben.

Aber es ist nicht so sehr das Schiessen, was mich hier umtreibt. In der Schorfheide bei Berlin ist die Jagd oft mit Politik verbunden. Hier in Waldesruh bin ich mit der Natur verbunden und ich geniesse es hier zu sein, auch wenn es nur ein paar Tage ist.

Der Bärenwirt macht wieder seine bekömmlichen Speckknödel und ich will mich mit dem Förster später am Lagerfeuer treffen. So muss ich nun schließen.