Wieder einmal ist es Zeit für ein neues #blogger4natur – Interview. In meiner Reihe #blogger4natur möchte ich Blogger und andere verrückte Menschen interviewen, denen die Natur am Herzen liegt. Dabei lege ich bewusst Wert darauf, euch eine breite Palette von naturbegeisterten Menschen vorzustellen. Denn Natur schützen fängt meiner Meinung nach mit dem Begeistern für die Natur an. Wenn du auch Lust darauf hast, hier ein Interview zu geben, dann meld dich doch einfach bei mir!

#Blogger4Natur: Patrick Pohlmann von Reise- und Naturfotografie

Heute: Tanja Heinz von Wildlife Travel

Beschreibe bitte kurz, wer Du bist!

Ich heiße Tanja, komme aus dem Allgäu, aber wohne momentan in Berlin. Seit gut einem Jahr schreibe ich auf meinem Blog über meine weltweiten Tierbegegnungen.

Erzähle uns doch bitte etwas über Deinen Blog. Wie ist sein Name und welche Geschichte steht dahinter?

Mein Blog heißt „Wildlife Travel“ und ich schreibe dort über Tiere, denen ich auf meinen Reisen begegnet bin. Als ich mit meinem Blog anfing, schrieb ich zunächst über meine Begegnungen mit Walen und Delfinen in Südafrika. Letztes Jahr war ich für zwei Monate in Brasilien und konnte dort einigen Affen, die zum Teil vom Aussterben bedroht sind, begegnen. Es geht auf meinem Blog nicht nur um das bloße Sehen, sondern auch um den Artenschutz. D.h. ich berichte gerne über Organisationen, die sich für den Artenschutz einsetzen.

Welchen Bezug hast Du zur Natur? Engagierst Du dich im Natur- oder Umweltschutz?

Für mich ist die Natur ein Ort der Erholung. Ich brauche oft sehr viel Ruhe. In der Natur finde ich das.

Ich bin in keiner Naturschutzgruppe aktiv, aber ich versuche viele (am besten wären alle) Tierbeobachtungen auf einer Citizen Science Plattform (iNaturalist) zu teilen. Wenn alle mitforschen, weiß man mehr über die Verbreitung verschiedener Tiere und kann sie besser schützen. Ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, in einer Naturschutzgruppe aktiv zu werden, weil ich denke, dass der Austausch mit anderen sehr hilfreich sein kann, den Naturschutz voranzubringen.

Worin liegt Dein Schwerpunkt in der Beschäftigung mit der Natur?

Mein Schwerpunkt liegt definitiv bei den Tieren. Daher beschäftige ich mich auch immer mehr mit der Tierfotografie. Auch wenn ich mich mehr auf die „attraktiveren“ Arten bis jetzt fokussiert habe, finde ich, dass Insekten wie Spinnen genauso wichtig sind wie jetzt Wale und Delfine. In Brasilien hatte ich sogar eine richtig spannende Begegnung was Insekten angeht. Und zwar war das mit der größten Fliege der Welt. In dem Moment wusste ich das gar nicht, weil ich keine Insektenkennerin bin. Aber jemand auf der Citizen Science Online Plattform iNaturalist machte mich darauf aufmerksam. Das fand ich ziemlich spannend. Obwohl ich Biologie studiert habe, beschäftige ich mich erst jetzt nach dem Studium so richtig mit dem Entdecken und Forschen. Auf meinem Blog wird es dazu auch in Zukunft mehr v.a. zum Thema Citizen Science geben. Es gibt einfach noch so viel zu entdecken, wenn man genau hinschaut.

Wie oft bist Du draussen unterwegs?

Leider viel zu wenig. Momentan wohne ich in der Stadt und ich verbringe eigentlich nicht gerne so viel Zeit im grauen Großstadtdschungel. Ich brauche schon irgendwas Grünes. Zum Glück ist Berlin für eine Stadt aber recht grün und es gibt einige Parks bei mir in der Nähe.

Dein bestes Naturerlebnis war … ?

Das ist sehr, sehr schwierig. Ich bin sehr gerne am Meer, im Wald, aber auch in den Bergen. Ich könnte mich da jetzt nicht entscheiden. Momentan finde ich die Nachtigallen mitten in der Stadt sehr spannend. Bei den Nachtigallen singen die Männchen um die Weibchen. Ich finde, sie haben wunderschöne Gesänge. Wenn ich mein Tablet dabeihabe, nehme ich die Gesänge mit der Naturblick-App für ein Nachtigallen Citizen Science Projekt auf. Nicht zu vergessen sind momentan auch die Feldlerchen auf dem Tempelhofer Feld. Es gibt eben auch tolle Naturerlebnisse in der Stadt.

Welche Bedrohung ist Deiner Meinung nach die schwerwiegendste für unsere Natur?

Ich denke das ist das globale Bevölkerungswachstum. Damit hängt meiner Meinung nach viel zusammen. Klimawandel, Artensterben, aber auch soziale Ungerechtigkeit. Ich denke, je mehr Menschen wir hier auf diesem Planeten werden, desto weniger Platz steht für Tiere zur Verfügung, da die Menschen ja auch irgendwie ernährt werden müssen… Da der Mensch über allem steht (er handelt jedenfalls so), mache ich mir was das Artensterben angeht besonders viele Sorgen.

Wie sieht es mit Deinem persönlichen ökologischen Fussabdruck aus?

Auch wenn der Begriff „Minimalismus“ schon ziemlich ausgelutscht ist, versuche ich so minimalistisch wie möglich zu leben, um meinen „ökologischen Fußabdruck“ zu verringern. Ich versuche mein Konsumverhalten (auch das Reisen) einzuschränken. Ich kaufe nur das was ich brauche und bin auch sonst, behaupte ich, sehr genügsam in meinem Alltag. Ich versuche mein Bestes.

Mir ist bewusst, dass ich nicht beliebig viel durch die Weltgeschichte fliegen kann und gleichzeitig über Artenschutz schreiben. Auf meinem Blog habe ich noch nicht viel über das Reisen generell geschrieben, aber ich mache mir sehr viele Gedanken darüber. Wie will ich in Zukunft reisen?

Als welche Art von Fotografen würdest Du Dich beschreiben und mit welchem Kameraequipment bist Du unterwegs?

Ich bin was das Fotografieren angeht immer noch so ein bisschen am Suchen. Auch wenn ich mich jetzt mehr mit der Wildlife-Fotografie auseinandersetze, merke ich doch immer wieder an welche Grenzen ich komme. Ich möchte gerne mehr Geschichten zu meinen Fotos erzählen. Vor allem über Tiere, die vom Aussterben bedroht sind und nur wenige kennen. Im Englischen gibt es den Begriff „conservation photography“. Ich denke, dass es bei mir noch weiter in diese Richtung gehen wird…

Ich fotografiere mit einer Spiegelreflexkamera (Nikon D500). Mein Lieblingsobjektiv ist ein 70-200mm 2,8 Objektiv von Sigma. Mit dem Handy oder Tablet fotografiere ich gar nicht gerne.

Zeige uns doch einmal bitte Deine fünf besten Naturfotos. Schön wäre es, wenn du ein bis zwei Sätze dazu sagen könntest.

#Blogger4Natur: Tanja Heinz von Wildlife Travel

Foto 1: Kegelrobben auf Helgoland. Als Naturfotograf hat man die Verantwortung, die Tiere beim Fotografieren nicht zu stören.

#Blogger4Natur: Tanja Heinz von Wildlife Travel

Foto 2: Murmeltiere im Berchtesgadener Land. Man muss gar nicht weit wegreisen, um interessanten Tieren zu begegnen.

#Blogger4Natur: Tanja Heinz von Wildlife Travel

Foto 3: Südliche Spinnenaffen leben in Brasilien im Atlantischen Regenwald und sind stark bedroht.

#Blogger4Natur: Tanja Heinz von Wildlife Travel

Foto 4: Goldene Löwenäffchen sind endemisch in Brasilien und kommen daher an keinem anderen Ort der Welt vor.

#Blogger4Natur: Tanja Heinz von Wildlife Travel

Foto 5: Der Gesundheitszustand einiger Guyana-Delfine in Rio de Janeiro war nicht so gut was man sehr gut erkennen konnte.

Welchen Artikel auf Deinem Blog findest Du selbst am besten und warum bedeutet er Dir soviel?

Besonders viel bedeuten mir die Artikel zu den Goldenen Löwenäffchen, den Südlichen Spinnenaffen und den Guyana-Delfinen. Ich kann mich jetzt schwer entscheiden, welcher Artikel mir am meisten bedeutet, weil ich von allen drei Tieren und den dazugehörigen Organisationen begeistert war. Sie machen eine tolle Arbeit für den Artenschutz. Wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, dann wären es die Guyana-Delfine, da es der Delfin-Population in Rio de Janeiro zuletzt nicht so gut ging. Vermutlich werden die Delfine durch die zunehmende Industrialisierung immer krankheitsanfälliger. Vor unserer Walbeobachtungstour waren etwa 200 Delfine in der Region gestorben.

Gibt es irgendeinen Ort wo bestimmte Tiere wohnen, die du unbedingt noch sehen willst?

Leider viel zu viele. Ich muss mich da aber selber immer wieder mäßigen (in der Hinsicht könnte ich nie genug bekommen). Ich denke, dass ich mir mein Arbeitsleben irgendwie noch zurechtschneidern muss, damit ich an bestimmten Orten länger sein, aber gleichzeitig auch meinen Lebensunterhalt verdienen kann. Ich habe allerdings auch keine Bucket-List. Ich werde sowieso nicht überall hingehen können. Das ist aber auch ok so. Lieber ist es mir sowieso, dass ich mich mit einem Ort und den Tieren, die dort leben intensiver auseinandersetzen kann. Das ist spannender, als mal kurz wo hingehen und dann gleich wieder weiterplanen.

Wie stehst du zum Thema Flugreisen?

Ich versuche so wenig wie möglich mit dem Flugzeug zu fliegen. Innerhalb Deutschlands bin ich noch nie geflogen und werde es auch nicht tun. Innerhalb Europas werde ich jetzt auch immer nach Alternativen zu einem Flug suchen, auch wenn ich dann länger unterwegs bin. Ein Tag unterwegs sein ist für mich in Ordnung. Oder einen Zwischenstopp an einem Ort einlegen was ich auch schon gemacht habe. Einen Langstreckenflug, um an einem Ort nur zwei Wochen zu bleiben, kam bei mir bis jetzt nur ein einziges Mal vor. Das war dann allerdings auf Arbeit. Ansonsten war ich bei meinen Langstreckenflügen bis jetzt immer mehrere Monate weg (2 bis 6 Monate).

Wie stehst du zur Tourismusindustrie?

Ich versuche auf meinen Reisen generell die kleineren Unternehmen vor Ort und Einheimischen zu unterstützen. Große und im Ausland geführte Hotelketten kommen für mich zum Beispiel nicht in Frage.

Ich bin mir ehrlich gesagt auch nicht sicher, ob ich mich als „Reiseblogger“ bezeichnen kann, weil ich nicht über Hotels schreibe oder Packlisten auf meinem Blog zu finden sind (vielleicht in der Zukunft?). Ich meide auch eher Messen wie die ITB, weil es mir dort zu laut und zu stressig ist. Bei meinem ersten (und letzten) Besuch gab es für mich auch nichts Interessantes zu finden (ich war allerdings nur an den öffentlichen Besuchstagen bis jetzt dort). Generell denke ich, dass dort eher die „Größeren“ sind. Die „Kleineren“ können es sich doch gar nicht leisten so weit nach Berlin zu reisen. Ich würde mich aber sehr gerne mit anderen Reisebloggern, vor allem die, die irgendwas Ähnliches machen, mehr austauschen.

Was würdest Du abschliessend Deinen Lesern zum Thema Natur sagen wollen?

Geht raus und entdeckt die Natur!

Information

Gern kannst du Tanja im www besuchen und dort weiter stöbern. Du findest sie zum Beispiel hier:

Webseite: https://wildlife-travel.com/

Vielen lieben Dank an Tanja für das Beantworten meiner Fragen und das wirklich schöne und persönliche Interview! Solltest du noch Fragen  haben, dann ab damit in die Kommentare.

Hast du auch Interesse an einem Interview in meiner #Blogger4Natur Serie? Dann meld dich einfach bei mir!