Besuch im Auswandererhaus in Bremerhaven

Bei einem Besuch im Auswandererhaus in Bremerhaven kommen wir unserer eigenen Familiengeschichte unter Umständen ein Stück näher. Vor allem aber befasst sich das Deutsche Auswandererhaus mit der Geschichte und den Geschichten um das Thema Auswanderung und der Einwanderung nach Deutschland.

Besuch im Auswandererhaus in Bremerhaven

Besuch im Auswandererhaus in Bremerhaven

Bremerhaven hat sich in den letzten Jahren als Touristikstandort gut entwickelt. Das Auswandererhaus ist neben anderen Einrichtungen eines der touristischen Zugpferde in der Nordseestadt. Es befindet sich direkt am Neuen Hafen, von dem aus bis 1890 knapp 1,2 Millionen Menschen in eine neue Heimat aufbrachen. Über Bremerhaven zogen insgesamt 7,2 Millionen Auswanderer in eine neue Heimat.

2005 wurde dieses Museum im grössten Auswandererhafen Deutschlands eröffnet. Damit fand das europaweit einzigartigen Museum zur deutschen und europäischen Auswanderungsgeschichte in Bremerhaven seinen Platz. Seit 2012 wird in einem Erweiterungsbau ebenfalls die über 300jährige Einwanderungsgeschichte nach Deutschland präsentiert.

Als Besucher begibt man sich auf eine historische Zeitreise. Mit unserem Eintrittsticket für den Besuch im Auswandererhaus erhalten wir eine RFID-Karte, welche uns zusätzlich zwei weitere Identitäten gibt. Mittels dieser Karte können wir an allen im Museum ausgezeichneten Stellen Information über eine von 33 realen Familiengeschichten erhalten. Somit lernen wir die Person und ihre Gründe kennen, die „unsere“ Person auf dem Chip zur Ausreise bewegten.

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Von Bremerhaven hinaus in eine neue Heimat

Der Rundgang beginnt im Wartesaal des Norddeutschen Lloyds. Von dort gelangen wir in den nachgestalteten Hafenbereich des Neuen Hafens an der Kaimauer. Hier trafen sich die Auswanderer und verabschiedeten sich von ihren Verwandten und Bekannten. Die Ausstellung besteht dabei nicht nur aus trockenen Erklärtafeln, Fotos und Anschauungsstücken.

Ganze Gruppen von lebensgrossen Figuren, aufgebauten Szenerien und nachgebauten Originalschauplätzen machen hier das Entdecken und Stöbern in der Geschichte zu einem Erlebnis. Hinzu kommt noch eine jeweils an die Szenerie angepasste Geräuschkulisse und die per RFID-Chip abrufbaren Informationen an den vielen Hörstellen oder Multimediastationen. Selbst diese sind in den Szenerien integriert.

Auf Anhieb fand ich diese Präsentation gelungen. Denn so erfährt und erlebt man Geschichte quasi nebenbei. Gerade für Kinder wird solch ein Museumsbesuch nicht schnell langweilig.

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Über eine Treppe führt der Rundweg schliesslich weiter und wir gelangen in die Galerie der 7 Millionen. Hier können wir Erinnerungsstücke, Lebensläufe und Dokumente vieler der 7 Millionenen Auswanderer entdecken. Gut geordnet in säuberlich angelegten Archivarschubläden warten diese nur darauf, von uns entdeckt zu werden.

Historische Landkarten, viele Hörstationen und gemütliche Sitzmöglichkeiten runden diesen Ausstellungsteil ab. Das Stöbern hier macht Spass und wir benötigen Zeit zum Entdecken.

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Liebevoll gestaltete Szenarien und viel Wissenswertes

Weiter führt unser Rundgang durch eine Schiffsnachbildung. Vielmehr sind es mehrere Schiffe, denn jede Kabine zeigt uns einen anderen Zeitabschnitt. In den einzelnen Kabinen können wir uns einen Eindruck von der Situation an Bord der Auswandererschiffe machen. Die ersten Auswandererschiffe waren noch Segelschiffe. Die Überfahrt dauerte noch Wochen. Die Überfahrt war nicht sehr luxuriös, eher eng und man musste sich mit wenig Platz zufrieden geben.

Ein paar Jahre später gab es die ersten Dampfschiffe. Durch die Nutzung der Dampfkraft dauerte eine Überfahrt nun nicht mehr einige Wochen. Aufteilung, Platzangebot und die Möglichkeiten an Bord hatten sich auch zum Besseren entwickelt. Auswanderer, die es sich leisten konnten, buchten in der ersten Klasse und hatten dementsprechend eine sorgenlose Überfahrt.

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Am Zielhafen angekommen war man aber noch lange nicht am Ziel. In den Vereinigten Staaten musste man noch eine langwierige Einwanderungsprozedur über sich ergehen lassen. Hatte man diese schliesslich bestanden, war der Weg in die neue Heimat offen. Oftmals war dieses Stück aber mit das Schwerste am ganzen Weg. Angefangen bei den vielfach herrschenden Sprachproblemen bis hin zur Akzeptanz bei den Einheimischen waren viele Schwierigkeiten und Stolpersteine zu überwinden. Manch einer schaffte dies und baute sich in den kommenden Jahren eine bessere Zukunft auf. Einige aber schafften diese erste Zeit nicht und kehrten auch wieder in die Heimat zurück.

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Auch die Einwanderung nach Deutschland ist ein Thema

Über einen Übergang betreten wir das Erweiterungsgebäude des Auswanderungshauses. Dieses wurde 2012 eröffnet. Hier wird die Einwanderungsgeschichte von Menschen präsentiert, die ab den 1970er Jahren nach Deutschland kamen – Gastarbeiter, Vertragsarbeiter oder Flüchtlinge. An einem typischen Lebensmittelgeschäft der 70er Jahre mit Originalprodukten erhalten wir unsere „zweite“ Identität, die eines Einwanderers. Das System funktioniert analog der Identität unseres Auswanderers.

Wir betreten eine Ladenzeile der 70er Jahre. Für einen Neuankömmling muss das Angebot, die Fülle und die Farben schon eine Überraschung gewesen sein. Für mich als in den 70ern Geborener war es eine Erinnerung. Viele der hier gezeigten Exponate kenne ich noch selbst von meinen Grosseltern und aus unserem Haushalt.

Die einzelnen Läden kann man besichtigen und auch hier wieder vieles entdecken. Auch die Hör- und Multimediastationen sind wieder zahlreich vorhanden. In einem Kinonachbau werden Filme gezeigt, die sich mit der Situation der Gastarbeiter und der Einwanderer beschäftigen. Übrigens aus beiden Teilen Deutschlands. Auch der deutschen Bürokratie in Einwanderungsfragen wird genügend Raum eingeräumt.

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Mit dem Angebot, seine eigene Familiengeschichte im Internet zu recherchieren, endet der Rundgang. Für diese Möglichkeit gibt es extra einen Raum, in dem ein paar PC bereitstehen. Hier recherchieren wir über das Portal Ancestry.de zur eigenen Ahnenforschung. Unter anderem können wir dafür auf die Passagierlisten der Reedereien zugreifen. Passt, da ich bereits einen Zugang für Ancestry besitze. Weitere Angebote, Sonderausstellungen und Aktionen ergänzen das Angebot des Auswandererhauses.

Mein Fazit zum Besuch im Auswandererhaus in Bremerhaven

Gerade im Hinblick auf die aktuellen Diskussionen und Geschehnisse hinsichtlich der Migrationspolitik finde ich es sehr gut, dass dieses Museum überhaupt besteht. Aus- und Einwanderungen aus den verschiedensten Gründen haben unsere letzten einhundert bis zweihundert Jahre begleitet.

Die Ausstellungen waren interessant gestaltet und wir hatten viele Möglichkeiten zum selbst-aktiv-werden. Das Konzept unter Ausnutzung moderner Medien und Technologien finde ich überzeugend. Das nicht unumstrittene Thema der Ein- und Auswanderung wird von mehreren Seiten betrachtet. Allerdings wäre ein noch kontroverserer Umgang gerade mit Blick auf die aktuelle Situation wünschenswert.

Für einen zeitlichen Rahmen empfehle ich ca. vier bis sechs Stunden einzuplanen. Nur dann hat man zeitlich die Möglichkeit einen Grossteil der Ausstellung auf sich einwirken zu lassen. Zwar kann man hier auch gut einen ganzen Tag verbringen, aber dann dürfte die Aufnahmefähigkeit schon erschöpft sein.

Wir waren an einem Wochentag ausserhalb der Ferien zu Besuch im Auswandererhaus. Glücklicherweise hielt sich der Besucherandrang in Grenzen, so dass wir genügend Raum und Möglichkeiten hatten uns die Ausstellung anzuschauen. In einigen engen Ausstellungsräumen wird es bei hohen Besucherzahlen sonst ziemlich voll. Ob die Anzahl der Hörstationen bei grossem Andrang ausreichend für die Besucher ist, kann ich nicht sagen. Die Computer für die Ahnenforschung waren jedenfalls durchweg besetzt.

Das Museum machte einen sauberen Eindruck, defekte Hörstationen oder dergleichen sind mir nicht aufgefallen. Einen Eintrittspreis von aktuell 14,80 € (Erwachsener) bzw. 8,80 € (Kind) finde ich schon etwas teuer. Familien (2 Erwachsene und 2 Kinder) zahlen für eine Familienkarte 38,00 €. Weitere Ermässigungen werden für Berechtigte angeboten.

Weitere Informationen für einen Besuch im Auswandererhaus, das aktuelle Programm, aktuelle Öffnungszeiten und anderes sind auf der Webseite des Museums ersichtlich.

Zu guter Letzt: Im Rahmen unserer Pressearbeit konnten wir das Deutsche Auswandererhaus kostenlos besuchen. Weitere Zahlungen sind nicht geflossen. Auch hier gilt, meine Meinung ist nicht käuflich.

Hallo, ich bin Torsten. Das Leben machte mich zum Optimisten mit Lebenserfahrung, Abenteurer, Naturschützer, Forstarbeiter, Logistiker, Journalist, Eurovisionär, Sammler, Schriftsteller, Künstler …

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