Preiser Artikel 30465 LangholzwagenGegenüber ihrer Obrigkeit hatten die Waldesruher immer ein gespaltenes Verhältnis. Wurden sie gut behandelt, so hielten sie auch loyal zu ihrem Landesherren. Fühlten sie sich 

jedoch von den Regierenden übers Ohr gehauen und hintergangen, so konnten sie ganz schön rebellisch werden. So war es auch kein Wunder, dass in der Zeit des Dreissigjährigen Krieges die Bewegung der Harzschützen auch Unterstützung aus Waldesruh erhielt.

Doch wie sah diese Unterstützung wohl aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein weiterer Artikel der Serie über die Beiträge zur Geschichte des Ortes und der Umgebung, welche im Waldesruher Tagesboten abgedruckt wird.

Diese Serie erscheint im Rahmen eines geförderten Projektes, welches sich der Erforschung der Waldesruher Geschichtsschreibung verschrieben hat.

Waldesruh selbst wurde in der Zeit des Krieges nie von großen Verwüstungen heimgesucht. Ein einziges Mal kamen die Schweden in den Ort, zogen aber unverrichteter Dinge wieder ab. Jedoch kam die Kunde von den Greueltaten aller kriegsführenden Parteien natürlich auch nach Waldesruh.

Und da die Waldesruher nicht nur an sich selbst denken war eigentlich von vornherein klar, dass hier etwas passieren muss. Sie boten vielen Flüchtigen aus der Umgebung ein Örtchen, an dem sie sich sicher fühlen und an dem sie sich eine neue Existenz aufbauen konnten. Einige neue Familien kamen so in dieser Zeit nach Waldesruh und der Ort wuchs weiter.

Einige junge Burschen des Ortes schlossen sich aber auch den legendären Harzschützen an.  Die Tochter des damaligen Ortsvorstehers Hannes Schulze war in einem dieser Burschen verliebt und er natürlich auch in sie.

So war sie es dann auch, die mit einigen Freundinnen den Kontakt mit den im Wald lebenden Harzschützen und den Waldesruhern hielt. Mal brachten die Mädchen ihnen frisch gebackenes Brot, mal einen erfrischenden Krug Wein mit.

Eines Tages wollten die Mädchen wieder ihre Liebsten besuchen. Jedoch auf halbem Wege zum Lager wurden sie von einer kleinen Gruppe Soldaten aufgegriffen. Da sie gerade ein paar Krüge Wein bei sich hatten, wurden die Soldaten natürlich redselig und wollten mit den Mädchen ein wenig plaudern.

Nach reichlichem Weingenuß konnten die Soldaten nicht weiter an sich halten und wollten die Mädels an die Wäsche. In diesem Moment brachen die Jungen, die schon sehnsüchtig auf ihre Freundinnen warteten, aus dem Unterholz und konnten die Soldaten überwältigen. Aufgrund des reichhaltig ausgeschenkten Weines war das aber auch keine große Meisterleistung mehr.

Schnell wurden die Soldaten durchsucht und ihnen die Waffen abgenommen. Bei der Durchsuchung fanden die Jungen einen Befehl, der aussagte, dass eine Gruppe von Schweden tief in den Harz hinein ziehen würde, um gegen die Harzschützen vorzugehen. Unter anderem sollte der Ort Waldesruh durchquert werden.

Auf diese Weise vorgewarnt, liefen alle sofort in den Ort und alarmierten die Einwohner. Das war auch der Auslöser für die Räumungsaktion des Ortes, die dann später zum Drei-Königs-Schwimmen als Festivität führte.

Die Zusammenarbeit zwischen den Waldesruhern und den freiheitsliebenden Harzschützen führte jedoch nicht nur zur Rettung des Ortes, sondern auch zu mancherlei Familienglück. Was die Waldesruher daraus gemacht haben, ist aber wieder eine andere Geschichte.