Beiträge zur Geschichte: In Waldesruh soll jeder glücklich sein

Beiträge zur Geschichte: In Waldesruh soll jeder glücklich sein

Mit dem Nachlassen der Ergiebigkeit der Goldader, deren Nutzung übrigens zum Bau des Rathauses führte, ließ auch das Interesse des Landesherren an Waldesruh nach. Waldesruh fiel in eine Phase sanften Schlafes. Aus diesem Schlaf erwachte der Ort erst wieder im Jahre 1517, als ein kleiner Mönch 95 von ihm verfasste Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg schlug.

Was war geschehen? Mit der Frage, was dieses Ereignis für Waldesruh bedeutete, beschäftigt sich ein weiterer Artikel der Serie über die Beiträge zur Geschichte des Ortes und der Umgebung, welche im Waldesruher Tagesboten abgedruckt wird.

Diese Serie erscheint im Rahmen eines geförderten Projektes, welches sich der Erforschung der Waldesruher Geschichtsschreibung verschrieben hat.

Als nun im Jahre 1517, genauer gesagt am 31. Oktober im nicht all zu fernen Wittenberg Martin Luther seine Thesen an die Tür der Schlosskirche schlug, löste er in der Menschheitsgeschichte ein kleines Erdbeben aus. In Waldesruh geschah – richtig – erst einmal nichts. Die Kunde von Luthers Auflehnung war eher in Magdeburg und in Rom bekannt als in unserem beschaulichen Ort.

Waldesruh hatte zu dieser Zeit nur eine kleine Holzkapelle und ein richtiger Pfarrer war auch nicht ständig hier zu finden. Zu den sonntäglichen Gottesdiensten gingen die Bewohner einfach in den Nachbarort und nur an besonderen Tagen reiste ein Geistlicher nach Waldesruh. Vor dem Gottesdienst musste dann natürlich erst einmal die kleine Kapelle geputzt und gereinigt werden.

Die Thesen Luthers waren gegen den Ablaßhandel der katholischen Kirche gerichtet. Somit konnte sich ein jeder von seinen Sünden gegen eine kleine oder größere Summe Geldes freikaufen. Egal, ob arm oder reich: „Wenn das Geld im Kasten klingt, deine Seele in den Himmel springt.“ war ein geflügeltes Wort zu dieser Zeit. Jegliche Verfehlung und Bösartigkeit konnte gegen Geld wieder gut gemacht werden und der Sünder brauchte deswegen nicht in der Höhle zu schmoren.

Ablaßhändler, wie der bekannte Johann Tetzel zogen durch die Lande und kassierten gegen das Verteilen von Ablaßscheinen jede Menge Geld. Die Summen mussten so ertragreich gewesen sein, daß davon sogar die Peterskirche in Rom gebaut werden konnte. Und sicherlich haben noch jede Menge anderer Leute daran verdient.

Nicht bekannt ist, ob die Waldesruher auch für das Vergeben ihrer Sünden bezahlt haben. Vorstellen kann man sich natürlich, daß die Einwohner unseres beschaulichen Örtchens es gar nicht nötig hatten. Aber vor Sünden gefeit waren sie sicherlich nicht.

Als dann endlich nach einigen Tagen die Kunde von den 95 Thesen in Waldesruh ankam, schauten sich die Waldesruher auch nur an. Von den Entwicklungen und gar Folgen dieser lutherischen Tat konnten sie nichts ahnen. Der geneigte Leser oder die geneigte Leserin wissen natürlich, was diese 95 Thesen anrichteten.

Jedenfalls kam ein halbes Jahr später ein kleiner Mönch nach Waldesruh und bat den Ortsältesten um Hilfe und Unterstützung. Heute würde man sagen, er ersuchte um Asyl. Nach genauerem Überlegen und Anhören des Mönches, kam heraus, daß dieser aus Süddeutschland kam und sich wegen der wörtlichen Unterstützung von Luther vor seinem Landesherren verstecken musste. So machte er sich auf die anstrengende und lange Fußreise und landete schliesslich im abgelegenem Waldesruh.

Die Waldesruher, fast vergessen von ihrem Landesvater und schon gar nicht rechenschaftspflichtig gegenüber einem Fremden, überlegten gar nicht lange. Ein Geistlicher wurde sowieso hier in Waldesruh gebraucht. Also genehmigten sie dem kleinen Mönch die Bleibe in der Holzkapelle. Der Mönch, übrigens war sein Name Braun, zögerte nicht und nahm die Herausforderung gern an.

Für die Waldesruher entfiel nun jeden Sonntag der Fußweg in die Kirche der Nachbargemeinde. Der kleine Mönch – nennen wir ihn Pfarrer Braun – kümmerte sich um das Seelenheil der Waldesruher und die Instandhaltung der kleinen Kapelle. Dabei war er dem Leben in Waldesruh immer aufgeschlossen, ermahnte aber auch die Waldesruher an ihren rechten Glauben. „In Waldesruh soll jeder glücklich sein“ war sein Wort, welches er am meisten gebrauchte.

Pfarrer Braun lernte eine Waldesruherin kennen und lieben, schließlich wurde geheiratet. Aus ihrer Ehe entstammten drei Kinder, und auch unser heutiger Pfarrer Braun ist ein Nachfahre des damaligen Mönches aus dem Süddeutschen.

Du fragst dich jetzt sicher, wo denn die kleine Holzkapelle von damals steht? Schon lange gibt es diese nicht mehr. An ihrer Stelle steht heute die steinerne Kirche zu Waldesruh. Doch das ist wieder eine andere Geschichte für die Beiträge zur Geschichte.

Edgar Ente ist ein Kind aus Waldesruh. Er interessiert sich sehr für die Natur und die Entwicklung seiner Heimat. Als Reporter hat er großen Anteil daran, dass der Ort Waldesruh quasi von der Öffentlichkeit „wieder entdeckt“ wurde und berichtet vornehmlich vom Leben aus diesem Ort.

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