Große Teile des heutigen Nationalparkes wurden als Hutewald genutzt. Da es in Waldesruh wenig große Wiesen gibt, wurden die Rinder, Schweine, Schafe und Pferde zur Hutung in den Wald geführt.

Doch was machte den Wald für die Hutung so geeignet? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein weiterer Artikel der Serie über die Beiträge zur Geschichte des Ortes und der Umgebung, welche im Waldesruher Tagesboten abgedruckt wird.

Diese Serie erscheint im Rahmen eines geförderten Projektes, welches sich der Erforschung der Waldesruher Geschichtsschreibung verschrieben hat.

Der Wald um Waldesruh war bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts noch weiter, dichter und auch dunkler als wir ihn uns heute vorstellen können. Auf dem kraftvollen Waldboden wuchsen eine Vielzahl unterschiedlicher Kräuter, Gräser, Büsche und natürlich auch Bäume.

Im Frühjahr boten die ersten Strahlen der Frühjahrsonne den Kräutern und Gräsern ideale Startbedingungen. So konnte das liebe Vieh bereist tagsüber in den Wald getrieben werden und sich am frischen Grün sattfressen.

Zum Ende des Frühjahres kamen dann die Büsche und Bäume hinzu und boten ebenfalls neben Gras ausreichend Nahrung. Im Herbst und Winter konnten dann Eicheln, Bucheckern, Kastanien und andere Früchte gefüttert werden.

Kleinere Waldwiesen wurden abgemäht und aus dem Gras wurde erfrischendes Bergheu für den Winter. Die Milch der Kühe aus Waldesruh hat über den Winter auch heute noch ein bisschen Kräutergeschmack von diesem Wiesenheu.

Meist zu Beginn des Mai erfolgte ein großer Viehaustrieb. Alle Waldesruher übergaben ihr Vieh zur Hutung an den Gemeindehirten, welcher mit den Tieren in einer großen Prozession in den Wald hinauszog. Dort blieb das Vieh bis zum Herbst und wurde vom Gemeindehirten betreut.

Durch die Nutzung als Hutewald wurden im Wald große an Früchten reiche Bäume geschont. Durch den Verbiss der Tiere konnte sich auch kaum Naturverjüngung auf den Weideflächen bilden.

Die kleinen Bergwiesen wurden durch die Beweidung ebenfalls offen gehalten, so dass sich hier viele seltene Orchideen und andere Pflanzen halten konnten.

Mit dem Beginn der industriellen Entwicklung wurde die Viehhaltung auch in Waldesruh immer unrentabler. Das Amt des Gemeindehirten wurde eingestellt und jeder Waldesruher kümmerte sich nun selbst um seine wenigen Tiere.

Der Wald konnte wieder genügend Naturverjüngung entwickeln. So konnten neben den heute noch zu sehenden mehr als tausendjährigen Mastbäumen auch wieder genügend junge Bäume nachwachsen.

Um die Pflege der Waldwiesen kümmert sich Bauer Heinrich. Seit einigen Jahren wird er dabei von den Forstarbeitern und Förster Grünrock im Rahmen der Pflege des Nationalparkes unterstützt.

Somit legte auch die Nutzung des Waldes als Hutewald einen Grundstein für die Ausweisung des Nationalparkes. Doch wie kam es zur Ausweisung des Nationalparkes? Dies ist wieder eine andere Geschichte, die ihr aber schon kennen dürftet.