Jahrelang lebten die Köhlerfamilien über Generationen in der Nähe des Hirschkopfes auf dem Mühlenberg. Doch eines Tages verliessen die mittlerweile alteingesessenen Familien den Berg und zogen hinunter in das Tal. Warum aber kam es zu diesem Umzug?

Beiträge zur Geschichte: Die Verlegung des Ortskernes

Beiträge zur Geschichte: Die Verlegung des Ortskernes

Mit dieser Frage beschäftigt sich ein weiterer Artikel der Serie über die Beiträge zur Geschichte des Ortes und der Umgebung, welche im Waldesruher Tagesboten abgedruckt wird.

Die Arbeit der Köhler war schwer und hart. Dennoch liess sich von dieser Arbeit gut leben. Hinzu kam das gute Angebot an Nahrung, welches der Wald und der Mühlenbach in der Nähe boten. So war es auch kein Wunder, dass die Menge der Einwohner des Köhlerfleckens immer weiter anwuchs. Die gewonnene Holzkohle wurde von den Köhlerfrauen mittels Karren in die benachbarten Gemeinden geschafft und hier auf den Märkten gewinnbringend verkauft. Holzkohle war damals ein begehrter und notwendiger Rohstoff zum Schmelzen von Erzen.

Die Bevölkerung wuchs an

Die Bevölkerung wuchs durch die Holzkohleproduktion weiter an. Für das Jahr 1213 verzeichnet der Ortschronist Jacobus Schultey (ein Vorfahre des heutigen Ortsvorstehers Egon Schulze) mittlerweile “zwanzichundacht familyien mit hundertneynzichunddrey seelen” . Für das selbige Jahr werden in der Chronik 30 Kühe, 25 Schweine, 32 Schafe und 10 Dutzend Stück Geflügel aufgeführt.

Dieses Anwachsen der Bevölkerung benötigte natürlich entsprechenden Raum zum Wohnen, zur Produktion von Gütern und Nahrung. So wurden immer weitere Teile des einst ursprünglichen und dichten Waldes abgeholzt oder als Weide genutzt. Durch den Warenaustausch mit dem Umland kamen auch neue Bewohner, welche hier ihr Glück suchten, nach Waldesruh.

Im Jahre 1215 vermerkt Jacobus Schultey dann, dass einer der neuen Einwohner beim Erforschen der Drachenglashöhle auf eine Goldader gestossen sei. Nun war aber eine Goldader zu dieser Zeit auch schon etwas besonderes. Der Landesherr wurde auf den Ort Waldesruh aufmerksam und förderte den Abbau des Goldes zum Wohle seiner eigenen Kassen. Ein Teil der Gewinne blieb dennoch im Ort.

Ein Rathaus sollte gebaut werden

In langen Verhandlungen trotzten die Waldesruher ihrem Landesherren im Jahre 1221 den Bau eines Rathauses ab, um den Status ihres gewachsenen Ortes gerecht zu werden. Als Standort des noch heute existierenden historischen Rathauses sollte aber ein entsprechend repräsentatives Umfeld gewählt werden. Der Platz auf dem Berg war dazu viel zu klein geworden.

Zudem zog sich in das kleine Tal am Fusse des Berges bereits eine kleine Handelsstraße hinein. Was lag also näher als das Rathaus an dieser Straße im Tal zu erbauen? So verlegte schliesslich Waldesruh seinen Ortskern.

Wie es dann schliesslich zum Bau des Rathauses kam und welche Rolle Jacobus Schultey dabei spielte, ist aber schon wieder eine andere Geschichte.