Beiträge zur Geschichte: Die Spielzeugmacher von Waldesruh

Spielzeug und damit die Spielzeugmacher von Waldesruh hatten schon vor Jahren ein einträgliches Geschäft. Doch wie wurde das Spielzeug aus Waldesruh so bekannt? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein weiterer Artikel der Serie über die Beiträge zur Geschichte des Ortes und der Umgebung, welche im Waldesruher Tagesboten abgedruckt wird.

Diese Serie erscheint im Rahmen eines geförderten Projektes, welches sich der Erforschung der Waldesruher Geschichtsschreibung verschrieben hat.

Damals an den langen, kalten und dunklen Winterabenden saßen die Köhlerfamilien in ihren Hütten beisammen und vertrieben sich die Zeit. Die Frauen spannen und die Kinder gingen ihnen dabei zur Hand. Die Männer waren bei ihren Meilern im Wald, schnitzten oder reparierten ihr Handwerkzeug. Fernsehen oder gar eine Playstation gab es damals noch nicht.

Schon damals war es Brauch, die kleinen Hütten zur Weihnachtszeit festlich zu dekorieren und sich gegenseitig kleine Geschenke zu machen. Doch anders als heute konnte man diese Sachen nicht in einem Kaufhaus kaufen. Zum einen hatten die Köhler kaum Geld für solchen Luxus. Zum anderen gab es damals noch keine Kaufhäuser. Nur die Markthändler zogen mit ihren Karren von Ort zu Ort.

So schnitzten die Männer ihren Kindern und Frauen Spielzeug oder Hausrat. Während der Kohlemeiler vor sich hin schwelte, hatten die Männer genügend Zeit dafür. So entstanden kleine Holztiere, Figuren und anderes Spielzeug, Holzschüsseln, Löffel oder Teller.

Und es gab fleißige Schnitzer unter den Köhlern! Einige von ihnen entwickelten eine wahre Kunstfertigkeit in ihrem Handeln. Sie konnten schon von der Form des Holzes her sagen:du wirst ein Elefant, aus dir wird ein Kasper!

Die fahrenden Händler nahmen manchmal die in den Hütten der Köhler entbehrlichen Spielzeuge für Waren des täglichen Bedarfs in Zahlung. Geld war ja damals knapp bei den Köhlern. Eine kluge Köhlersfrau fragte sich deshalb eines Tages, ob es sich nicht lohnen würde die Spielzeuge einmal auf dem Markt selbst zu verkaufen.

Gedacht, gesagt, getan! Schon am nächsten Tag sammelte sie Spielzeug bei den Familien ein und wanderte mit ihrem Karren zu Stadt. Jedoch von ihren Kunden interessierte sich niemand für die kleinen, vom Holzkohlestaub verschmutzten Spielzeuge.

Enttäuscht nahm sie die Spielzeugfiguren wieder mit heim. Umsonst hatte sie den Weg zwar nicht gemacht, denn ihre Holzkohle hatte sie verkauft. So blieben vorerst die Kunstfertigkeiten der Spielzeugmacher von Waldesruh der Welt verborgen.

Das änderte sich erst Jahrhunderte später, als ein Händler aus Leipzig in den kleinen beschaulichen Ort kam. Doch das ist schon wieder eine neue Geschichte.

 

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