Beiträge zur Geschichte: Die Kräuterweiber von Waldesruh

Die Kräuterweiber von Waldesruh waren schon vor Jahrhunderten gefragt. Doch warum? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein weiterer Artikel der Serie über die Beiträge zur Geschichte des Ortes und der Umgebung, welche im Waldesruher Tagesboten abgedruckt wird.

Diese Serie erscheint im Rahmen eines geförderten Projektes, welches sich der Erforschung der Waldesruher Geschichtsschreibung verschrieben hat.

In früheren Zeiten verdienten die Waldesruher nicht nur mit der Herstellung von Holzkohle ihren Lebensunterhalt. Ihr Wissen um die Natur, den Pflanzen und Tieren ermöglichte es diesen Leuten zusätzlich ihr karges Leben etwas erträglicher zu gestalten.

Während die Männer an ihren Holzmeilern darauf warteten, daß das Holz zur wertvollen Holzkohle wird, blieben ihre Frauen nicht weniger müßig. Besonders die Älteren unter ihnen zogen in den Wald und sammelten der Jahreszeit entsprechend frische Kräuter.

Die frischen Wildkräuter wurden dann auf den Märkten für Küche und Hof zum Verkauf feilgeboten. Doch die Kräuterweiber von Waldesruh konnten noch mehr aus ihrem Wissen machen.

Die gesammelten Pflanzen, Pilze, Beeren und teilweise auch Hinterlassenschaften von Tieren  wurden dann von den Frauen und deren Kindern getrocknet, zerstoßen und zu mancherlei heilenden Medizin oder wundersamen Kräutermischung verarbeitet. Wenn die Frauen dann wieder einmal auf den Markt in die Stadt zum Holzkohlenverkauf zogen, boten sie auch ihre verarbeiteten Kräutermixturen an.

Manche der Frauen waren dabei so erfolgreich, daß wohlhabende Bauern, Bürger und auch Edelleute sich extra diese Mixturen in ihr Haus bringen ließen. Es war ja für jedes Zipperlein das richtige Kräutlein gewachsen: sei es gegen Krankheiten, Husten und Heiserkeit, gegen offene Wunden, Haarschwund, Fettleibigkeit oder zum Entfachen der Liebesfreude.

Immer öfters gingen daher die sogenannten Kräuterweiber nur mit ihren Mixturen in die Stadt, zeitweilig sogar täglich. Und immer schwiegen die Kräuterweiber über ihre Kunden. Denn die richtige Diskretion war bereits damals in früheren Zeiten eine wichtige Geschäftsgrundlage.

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