Auf der Suche nach dem Osterhasen

Auf der Suche nach dem Osterhasen sind die Kinder von Waldesruh. Der Grund für diese Suche war ein Streit zwischen Forschtrat Tobi, Susi Bendig und dem dicken Bernd. Der fragte nämlich, warum der Osterhase nur die Eier verstecken würde und nicht auch die Schokolade.

auf der Suche nach dem Osterhasen

Susi und der Forschtrat konterten gleich, daß es den Osterhasen doch überhaupt nicht geben würde. „So ein Quatsch! Ein Hase kann doch keine Eier legen!“ lachte die Susi ganz laut.

„Doch!“, entgegnete der dicke Bernd entrüstet. „Letztes Jahr zu Ostern habe ich bei uns im Garten auch Eier gesucht. Und beim Suchen im Gebüsch hoppelte ganz schnell ein Hase davon und dann sah ich dieses Eiernest. Die bunten Eier waren ganz sicher vom Osterhasen!“ Da auch die Waldesruher Kinder schon tatkräftig sind und viel lieber handeln anstatt zu diskutieren, entschlossen sich die drei, den Osterhasen zu suchen.

Den Osterhasen gibt es doch, oder?

Also rannten die drei schnell zum Haus vom dicken Bernd. Hier im Garten sollte der Osterhase ja sein Nest haben. Ganz still und vorsichtig durchsuchten die Kinder den Garten. Doch außer eine alten Erdkröte fanden sie nichts. Nur ein paar Singvögel konnten sie beim Brüten beobachten.

Wo könnte sich der Osterhase denn verstecken? Im Feld oder lieber im Wald? Der Forschtrat hatte die entscheidene Idee: „Besuchen wir Förster Grünrock, der weiß bestimmt, wo sich der Osterhase aufhält.“ Also rannten sie los, hinauf zur Forsthütte von Förster Grünrock. Aus dem Ort hinaus, die Trift bergauf. Unterwegs musste sie ein paar Male anhalten, um Pause zu machen. Gerade der dicke Bernd schnaufte heftig und kam rasch aus der Puste.

Endlich am Forsthaus angekommen, war Förster Grünrock nicht anzutreffen. „Sicher wird er gleich wieder hier sein.“ rief Tobi aus. „Wir können ja solange nach den Tieren schauen.“ Also gingen die Kinder hinüber zum Stall. Förster Grünrock hat ja in seinem Krankenhaus immer einige Wildtiere in Pflege. Aber auch Hühner, Kaninchen oder sogar ein Rentier sind beim Förster zu finden. Vorsichtig öffneten die Kinder das Tor der Scheune. Langsam gewöhnten sich die Augen an die Dunkelheit im Stall.

Auf der Suche nach dem Osterhasen …

Ein paar Hühner raschelten im Stroh, weiter hinten schnaufte das Rentier. In einem kleinen Stall saß ein Hase mit einem Verband um einen Fuß. Susi hockte sich vor das ängstliche Tier und streichelte es ganz vorsichtig. „Ich glaub das nicht,“ flüsterte sie den beiden Jungs zu. „Der Hase sitzt auf einem Nest mit fünf Eiern!“ Triumphierend lachte der dicke Bernd„Seht ihr, ich habe es euch ja gesagt!“. In diesem Moment hörten sie das Moped vom Förster auf den Hof fahren. Schnell liefen die Kinder hinaus und dem Förster entgegen.

Förster Grünrock freute sich, die Kinder zu sehen. Oft helfen sie ihm im Wald oder bei seinen Tieren. Deshalb war er auch nicht verwundert, die Kinder hier anzutreffen. Die drei erzählten ihm schnell von ihrem Anliegen. „Na dann kommt mal mit, ich zeige euch etwas.“ lachte der Förster und ging mit den drei Kindern Richtung Rukollamühle. Dabei erzählte er vom Hasen. Daß der Hase heute seltener zu finden ist als noch vor fünfzig Jahren. „Trotz seiner zahlreichen Nachkommenschaft fehlt es dem Hasen immer mehr an geeigneten Lebensraum. Es gibt keine Gebüsche, Feldraine und Hecken mehr, in denen er sich verstecken kann. Die moderne industrielle Landwirtschaft bietet dem Hasen auch nicht mehr genügend Futter.“ Auch der Verkehr ist daran schuld, daß der Hase immer seltener wird.

… oder warum färben Fräulein Krause und Tante Rukolla Ostereier?

„Und was ist mit dem Osterhasen?“ fragt ganz aufgeregt der dicke Bernd. „Wir haben doch in der Scheune das Nest gefunden!“ Da lacht der Förster laut und fasst dem Jungen an die Schultern. „Ihr müsst jetzt tapfer sein, aber der Osterhase ist nur eine Erfindung der Menschen.“ erklärte der Förster den Kindern. Aus alten germanischen Bräuchen heraus entwickelte sich die Meinung, daß der Hase die Eier bringt. Gerade im Frühjahr zur Osterzeit seien die Hasen in der Natur sehr aktiv, weil sie dann Rammelzeit, also Paarungszeit, hätten.

„Der Osterhase ist also nur eine nette Geschichte.“ erklärte er den Kindern. (Das die Einwohner von Waldesruh aber schon andere Erfahrungen gemacht hatten, verschwieg er lieber.) Während der Unterhaltung erreichten die vier Wanderer die Rukollamühle. Auf ihr Klingeln öffnete Tante Rukolla die Tür und bat die Gäste herein. „Entschuldigt, aber ich habe gerade im Moment keine Zeit. Die Eier für das Osterfest sind am Kochen und Fräulein Krause kommt auch gleich zum Färben. Aber wenn ihr mithelfen wollt, könnt ihr gern ein bisschen Osterhase spielen.“

„Genau deswegen sind wir hier,“ erklärte der Förster. „Die Kinder wollten wissen, was es mit dem Osterhasen auf sich hat und ich denke, sie sind bereits alt genug, um die Wahrheit zu erfahren.“ Tante Rukolla lachte los. „Na dann kommt her, ihr Hasen, wir färben jetzt zusammen die Eier und ich erzähle euch etwas über den Osterhasen.“

So erfuhren die Kinder nun endlich, woher der Hase die bunten Ostereier bekommt. Und auch, warum Fräulein Krause und Tante Rukolla die Ostereier in Waldesruh färben und verstecken. Nämlich für das kommende Osterfest in Waldesruh!

 

Edgar Ente ist ein Kind aus Waldesruh. Er interessiert sich sehr für die Natur und die Entwicklung seiner Heimat. Als Reporter hat er großen Anteil daran, dass der Ort Waldesruh quasi von der Öffentlichkeit „wieder entdeckt“ wurde und berichtet vornehmlich vom Leben aus diesem Ort.

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