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Am 09.11.1989 fiel die Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten. (Foto aus dem Miwula)

Am 09.11.1989 fiel die Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten. (Foto aus dem Miwula)

Auch in Waldesruh jährt sich der 25. Jahrestag der Maueröffnung.  Zwar ist der große Festakt, an dem sich dann wieder alle Politiker gegenseitig beglückwünschen, erst im November. Jedoch hat der Waldesruher Tagesbote schon heute einen Grund, um über dieses Ereignis zu berichten.

Waldesruh liegt unweit der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und war ebenfalls von der Teilung betroffen. Hier konnte sich im Schatten der Mauer eine urwüchsige Natur und die einfache Lebensweise der Einwohner bis heute erhalten. Reste der einstigen Mauer sind auch heute noch unweit des Ortes zu finden und rotten vor sich hin.

Die Mauer war auch neben der abgelegenen Tallage der Grund, weshalb dieser Ort so lange Zeit nahezu unverändert seinen heute so unveränderten Charakter bewahren konnte.

Aus diesem Grund fragte unser Chefredakteur die Einwohner, was diese von einem kleinen Mauermuseum halten würden. Hier ein paar Antworten, welche jedoch nicht repräsentativ für den Ort stehen sollen.

Der Bärenwirt meinte, dass es gut sei, dass die Mauer weg ist. Zwar sei das Leben stressiger geworden, aber es kommen jetzt mehr Menschen nach Waldesruh. Das sei doch eine Chance, der Welt zu zeigen, wie man es besser machen kann.

Bauer Raffke meinte, der Mauerfall hätte ihm Glück gebracht, da er einige Grundstücke zu hohen Preisen verkaufen konnte.

Es gibt jedoch auch andere Stimmen. Bauer Heinrich zeigte sich betrübt. „Nech allet waas to schlechd wie es immmer erzält wirt. Wee hapent Arbiet jehapt un dat jemeinsamme Jefühl war noch ausjeprechter (Nicht alles war so schlecht, wie es heute immer erzählt wird. Wir haben alle Arbeit gehabt und das Gemeinschaftsgefühl war ausgeprägter als heute).“

Fräulein Krause zeigte sich erfreut, über die Idee ein Mauermuseum zu gestalten: „Allerdings sollte der Alltag der Menschen hier im Vordergrund stehen. In der DDR hatten wir nicht nur Mauer, Stasi und Armee!“.

Und auch Neubürger wie Frau Dr. Bendig haben etwas dazu zu sagen: „Als Wessi bin ich hier im Osten sehr gut aufgenommen wurden. Ich habe mich gleich zu Hause gefühlt. Die Leute hier haben sich noch ihre Herzlichkeit und Offenheit bewahren können – anders als in den alten Bundesländer, wo doch jeder nur an sich selbst denkt.“

„Ein bisschen traurig bin ich schon mit dieser Entwicklung, ich habe ein Stück Heimat verloren. Mein Sohn ist der Arbeit wegen weggezogen und ich sehe ihn nur ein paar Mal im Jahr.“ – etwas betrübt zeigte sich Tante Rukolla. „Aber das Leben geht ja weiter, so war es schon damals, egal wer an der Regierung war.“

Der Ortschaftsratsvorsitzender Egon Schulze äusserte sich zum Gedanken ein Mauermuseum zu errichten: „Ich begrüsse die Idee. Jedoch sollten hier in Waldesruh die Leute zu Wort kommen, die wirklich etwas für ein besseres Leben – egal in welchem System – beigetragen haben. Die, die sich in Berlin am 09. November dann die Hände schütteln werden, haben überhaupt nichts getan. Wir, und damit meine ich alle einfachen Bürger, haben doch nach dem Krieg unter vielen Schwierigkeiten hier wieder alles aufgebaut. Deshalb sollte nicht nur die Mauer im Mittelpunkt dieses Museum stehen!“

Beim Waldesruher Tagesboten haben nun noch bis zum 01. April alle Einwohner des Ortes und auch die Urlauber die Möglichkeit ihre Stimme für ein DDR-Mauer-Museum einzureichen.