Abschied von Kloster Kaltenthal oder wie die Nonnen nach Waldesruh kamen

Abschied von Kloster Kaltenthal oder wie die Nonnen nach Waldesruh kamen

Dieser Beitrag wurde am 15.06.2021 veröffentlicht.

Er wurde am 14.06.2021 aktualisiert.

Geschrieben von Torsten Berg

„Um Himmels Willen“ – es heisst Abschied von Kloster Kaltenthal zu nehmen. Ende November 2020 gab die ARD bekannt, dass die langjährige Erfolgsserie trotz verlässlich guter Quoten eingestellt wird. Damit ereilt diesem Zuschauerliebling ein Schicksal, welches in jüngster Vergangenheit ebenso andere Traditionssendungen wie die „Lindenstrasse“ in der ARD ereilt hat.

Abschied von Kloster Kaltenthal oder wie die Nonnen nach Waldesruh kamen - Gespräch in Waldesruh

Abschied von Kloster Kaltenthal

Der Abschied von der Lindenstrasse war ja schon etwas wehmütig. Obwohl ich diese Kultserie in den letzten Jahren auch nicht wirklich mehr geschaut hatte. Aber so ist das mit Sachen, sie kommen und gehen. Bei vielen davon kann man das Gehen gar nicht erwarten. Bei anderen Sachen, Dingen, Serien und auch Menschen wird der Abschied schon schwermütiger. Ich kann mich nicht daran erinnern, ab wann ich diese Serie begonnen hatte zu verfolgen. Aber gerade zu Beginn der Corona-Zeit war der Dienstag Abend bei uns zu Hause fest dafür eingeplant.

Nein, ich bin kein Serienjunkie. Viele der heute laufenden Serien finde ich schrecklich. Es gibt wenige Fernsehserien, die mich packen. „Um Himmels Willen“ war eine davon. In vielen der Episoden und der Personen hat man sich selbst wiedererkannt. Oder den eigenen Nachbarn. Es war für knapp 45 min so etwas wie ein heile-Welt-Abend. Solche Momente brauche ich als Mensch für mich selbst. Und wahrscheinlich nicht nur ich. Wohl jeder hat wohl so seine eigenen kleinen verschrobenen Momente für sich!

„Wir sind der festen Überzeugung, dass man aufhören sollte, wenn es am schönsten ist.“ (Jana Brandt, Leiterin der Gemeinschaftsredaktion Serien)

Mehr als diese Feststellung gab es seitens der ARD nicht zur Absetzung der Serie zu hören. Trotz 260 Folgen und guten Einschaltquoten von zuletzt noch immerhin 5 Millionen Zuschauern sieht man keine Zukunftsperspektive mehr. Vor allem in der werberelevanten Zielgruppe (von 14 bis 49 Jahren) habe man bei den Quoten grosse Probleme. Das Argument kann ich nicht nachvollziehen, zumal ab 20:15 Uhr in der ARD auch keine Werbung läuft.

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Die letzte Folge

Am heutigen Dienstag Abend wird nun endgültig die letzte Episode der finalen 20. Staffel ausgestrahlt. Anfang 2002 wurde „Um Himmels Willen“ erstmals ausgestrahlt. Schnell haben sich die Geschichten zu einen Quoten-Hit entwickelt. In allen Staffeln stehen die Nonnen eines kleinen Klosters im fiktiven niederbayrischen Städtchen Kaltenthal im Mittelpunkt. Sie unterstützen Hilfesuchende in allen Lebenslagen. Zeitgleich sucht der geschäftstüchtige Oberbürgermeister Wolfgang Wöller (der geniale Fritz Wepper) stets nach Wegen, das Kloster zum Wohle der Gemeinde und nach seinen Vorstellungen zu nutzen. Dabei gerät er natürlich mit den Nonnen von Kloster Kaltenthal unter (letzter) Führung von Schwester Hanna (die nicht weniger geniale Janina Hartwig) immer wieder in Konflikte. Doch die beiden Dickköpfe finden immer wieder Wege, um sich zusammenzuraufen und für gemeinsame Interessen einzustehen.

In den einzelnen Episoden wurden dabei um den eigentlichen Rahmen um die Zukunft des Kloster immer wieder aktuelle und lebensnahe Themen  behandelt.

„Die Nahbarkeit der Handelnden in der Serie und die einfach gute Komödie machen den Erfolg der Serie aus.“ (Janina Hartwig – Schwester Hanna)

Wie kommen die Nonnen nach Waldesruh

Mit dem Abschied von Kloster Kaltenthal verliere ich erst einmal meinen einzigen regelmässigen Fernsehabend. Der Dienstagabend war jede Woche eine positive und inspirierende Stunde, die ich genossen habe. Es ist unbegreiflich, diese Serie einfach so abzusetzen. Während dieser Stunde hatte man Gelegenheit, nahezu alle Sorgen und Probleme zu vergessen. Man konnte sich einfach in eine heile Welt hineinbeamen. Damit geht eine schöne und liebenswerte Komödie zu Ende. 260 Folgen vereitelter Klosterverkauf – diesen Ideenreichtum muss man den Produzenten erst mal nachmachen! Die Komödie lebte von den wiederkehrenden und durchweg gehaltenen Charakteren. Mein Dank geht an die Darsteller und das Team für die wirklich schönen und heiteren Stunden.

Ich bin ehrlich: die Geschichten um Kloster Kaltenthal haben auch mich zu einigen Geschehnissen in Waldesruh inspiriert. Gerade diese rosarote und heile Welt macht doch die Faszination aus. Viele schlechte Nachrichten gibt es tagtäglich und ständig um uns herum. Da muss einfach auch genügend Platz sein für Märchen und schöne Geschichten! Und dafür gibt es unter anderen auch die Geschichten aus Waldesruh. Denn auch in meinem beschaulichen Örtchen geht es beständig um den Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen. Und meistens gewinnt das Gute – wie es eben in einem Märchen immer endet.

Was liegt also näher den symphatischen Nonnen beim Abschied von Kloster Kaltenthal Asyl und ein Haus in Waldesruh anzubieten? Zudem habe ich bereits mit Pfarrer Braun auch eine Geistlichkeit im Ort, der sich bestimmt über weitere Hilfe freuen wird. Und mit dem Waldesruher Bürgermeister Egon Schulze werden die Nonnen nicht um den Erhalt ihres Klosters kämpfen müssen. Das ist jetzt schon garantiert!

„Wenn dann die Nachrichten vorbei sind und Um Himmels Willen kommt, kann man sich entspannt zurücklehnen“ (Fritz Wepper – Wolfgang Wöller)

Kommentieren, Anregen und Diskutieren

  1. Heike Steffens 15. Juni 2021 at 21:51 - Reply

    Die Motivation, diese Serie zu schauen, kann ich sehr gut nachvollziehen. Es ist manchmal sehr schön, dem schnöden Alltag zu entfliehen. So mit festem Termin. Ich bin eher Krimifan und ich mag die historischen BBC Verfilmungen von Büchern von z. B. Jane Austen. So jetzt habe ich mich geoutet…

    • Torsten 17. Juni 2021 at 8:34 - Reply

      Hallo Heike,

      jeder hat eben so seine Rituale und Vorlieben. Und das ist gut so. Ansonsten würden wir ja in einem Einheitssumpf gefangen sein.

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