3 Jahre Wiederentdeckung von Waldesruh

Vor knapp drei Jahren – am 30.11.2012 – wurde das beschauliche Örtchen Waldesruh für die Weltöffentlichkeit quasi wieder entdeckt. 3 Jahre nach der Wiederentdeckung von Waldesruh hat es unser Reporter und Herausgeber Edgar Ente endlich geschafft: nach langen und zähen Verhandlungen hat sich der Vater von Waldesruh bereit erklärt, unserer Zeitung ein Exklusivinterview zu geben.

Viele Fragen wurden dazu in den letzten Tagen von Freunden, Verwandten, Bekannten und Lesern gestellt. Hier nun das Interview:

Edgar Ente (EE): „Guten Tag, verehrter Mister Waldesruh. Zuallererst, wie darf ich Sie anreden? Ist ein einfaches Herr für sie die richtige Bezeichnung?“

Mister Waldesruh (TB): „Ich grüße Sie Herr Ente. Herr Berg reicht vollkommen. Gute Bekannte nennen mich Torsten. So können Sie mich auch nennen. Wir haben alle viel mehr gemeinsam, als wir uns selbst eingestehen wollen.“

EE: „Also dann noch einmal guten Tag Torsten. Ich gestehe hier, ich bin etwas überfordert mit dieser Situation. Schließlich ist dieses Mal das erste Mal für mich, meinem Erfinder gegenüber zu stehen. Sie dürfen mich übrigens auch duzen!“

TB: „Kein Problem! Wir haben alle für die verschiedensten Gelegenheiten einmal unser erstes Mal. Lampenfieber ist somit normal. Leg einfach los!“

EE: „Noch einmal vielen Dank, daß du endlich die Zeit für dieses Exklusivinterview mit dem Waldesruher Tagesboten gefunden hast. Gerade jetzt in Richtung Weihnachtszeit ist ja einiges zu erledigen. Deshalb auch gleich die erste Frage: Eine geneigte Leserin unserer Zeitung wüsste gerne, wieviel Persönliches vom Schöpfer in Waldesruh steckt?“

TB: „Das wird aber gleich am Anfang persönlich! Also: ich bin schlecht wie Bauer Raffke, betrunken wie Bauer Heinrich und eine Diva wie Jakkeline.“

EE: „Nicht ernsthaft, oder?“

TB: „Das mögen die Menschen entscheiden, mit denen ich zu tun habe. Ich bin, wie ich bin! Der Ort Waldesruh, seine Bewohner und deren Geschichten aber sind Teil meiner Fantasie und Kreativität. Von dieser Seite also haben wir doch einiges gemeinsam.“

EE: „Woher nimmst du die Zeit, dich mit einer doch so komplexen Sache wie Waldesruh zu beschäftigen. Schließlich hast du ja auch noch andere Hobbies. Hast du Unterstützung in diesem Projekt?“

TB: „Stimmt. Waldesruh ist komplex und verlangt einiges an Aufwand. Die Zeit für ein Hobbie sollte man natürlich aufbringen können. Aber Zeit ist nicht das Wichtigste dabei – egal welchem Hobbie man sich widmet. Vielmehr bedarf es des richtigen Antriebes, sich mit einer Sache intensiv zu beschäftigen. Das Schwierige an der Zeit ist ja, mit der vorhandenen Zeit umzugehen. Organisiere ich mir meine Zeit oder lasse ich mir meine Zeit von anderen Menschen, Dingen oder Gelegenheiten stehlen?“

EE: „Das hört sich so an, als ob du dich ungern verplanen läßt?“

TB: „Das ist natürlich ein Lernprozeß, den man über Jahre über sich ergehen lassen muß. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, mir meine Zeit und meine Aufgaben zu organisieren. Und ganz wichtig ist es auch einmal Nein sagen zu können. Gerade wenn andere Menschen zu dir kommen und fragen: kannst du mal … ? Man darf sich persönlich nicht zu viel vornehmen, aber auch nicht zu wenig. Beide Möglichkeiten verursachen Streß und machen auf Dauer unzufrieden.“

EE: „Darf ich fragen, wie alt du bist?“

TB: „Nein, aber ich fühle mich jünger!“

EE: „Nun sind ja Modellbahnen eher etwas für die ältere Generation. Fühlst du dich wohl dabei?“

TB: „Würde mir Waldesruh keinen Spaß machen, würde es Waldesruh auch nicht geben! Waldesruh ist für mich eine Quelle der Inspiration und der Erholung. Sollte Waldesruh irgendwann Streß machen, würde ich wohl aufhören …“

EE: „(entsetzt) Nein, bitte nicht, was würde dann aus uns werden! Welchen Antrieb gab es für dich vor drei Jahren Waldesruh zu erschaffen?“

TB: „Angefangen hat alles wieder mit einer Kiste, welche ich vom Dachboden meiner Eltern geholt habe. In dieser Kiste waren die Spielsachen meiner Kindheit. Beim Auspacken und Anschauen hatte ich dann eine Idee.“

EE: „Die Idee von Waldesruh?“

TB: „Noch nicht direkt. Eher war es mir bei den alten Spielsachen schade darum, diese einfach weg zugeben oder zu verkaufen. Es hängen ja noch Emotionen und Erinnerungen an diesen Sachen. Und es waren nicht nur die Modellbahnsachen, die ich wieder fand. Alle diese Dinge wollte ich säubern, reparieren und zur Erinnerung in ein Regal stellen. Als Erinnerung an meine Kindheit und auch ein bisschen als Erinnerung an meine Heimat.“

EE: „Heimat?“

TB: „Ja, ich meine das auch nicht so sehr räumlich bezogen. Ich bin ein Kind, welches in der DDR aufgewachsen ist und mein Spielzeug kam aus der DDR. Viele von den Sachen gibt es heute nicht mehr. Die Kinder verlangten nach der Wende nach anderem Spielzeug. Auch die technische Entwicklung blieb ja nicht stehen. Somit ist ein kleiner Teil der eigenen Heimat auch verloren gegangen. Ich möchte wenigstens einen kleinen Teil der Sachen erhalten und bewahren.“

EE: „Der finanzielle Aufwand dabei ist bestimmt nicht gering. Kann man denn solch ein Hobbie versichern?“

TB: „Versichern kann man heute vieles, fast alles. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man sich gegen alle Risiken absichern kann. Wir fahren ja sogar versichert in einen „sogenannten“ Abenteuerurlaub. Das Absichern aber kostet nicht nur Geld. Wir verlieren dabei den Blick für das Wesentliche und auch einen Großteil unserer Risikobereitschaft. Wenn ich mich mit einer Versicherung gegen etwas absichere, heißt das ja dann auch, dass ich die Verantwortung für mein Handeln oder Nichthandeln an jemanden abgebe. Was Waldesruh betrifft, hält sich der finanzielle Aufwand in Grenzen. Ich habe das Notwendige unternommen, damit Waldesruh gesichert ist. Aber versichert habe ich es nicht!“

EE: „Gut, das lässt zumindest hoffen! Und wieso bist du nun auf Waldesruh gekommen?“

TB: „Das war dann die Idee, die zu reifen anfing. Das Spielzeug nur in ein Regal zu stellen, war mir eigentlich zu langweilig. Aufgewachsen bin ich im Harz und gelernt habe ich ursprünglich den Beruf eines Forstfacharbeiters. Die Natur hat mich schon immer begeistert. Da lag es nahe, alles miteinander zu kombinieren. Spontan fiel mir dann dazu auch der Name Waldesruh ein.“

EE: „Hast du keine Angst als Spinner oder Nerd bezeichnet zu werden? Wer spielt denn heute noch mit einer Eisenbahn?“

TB: „Nein, Angst habe ich nicht! Ich scheue mich auch nicht davor, in Gesprächen mit anderen Menschen von Waldesruh zu erzählen. Die meisten finden das sogar toll! Jeder Mensch hat seinen Spleen, also darf auch ich meinen ausleben. Und wenn man sich die heutigen Preise im Modellbahnsektor anschaut, dann wird einem schnell klar, daß das eigentlich kein Kinderspielzeug mehr ist.“

EE: „Ist Waldesruh denn eine Spielzeugbahn für dich?“

TB: „Eine Spielzeugbahn? Nein, ich sitze nicht mit Eisenbahnermütze und Fahrsignalkelle vor der Anlage und lasse die Züge im Kreis fahren. Für mich ist Waldesruh ein Hobbie und eine Geschichte. Und zwar eine, die lebt und sich entwickelt. Vieles baut aufeinander auf und bedingt einander. Hier kann ich meine Kreativität ausleben und das alte Spielzeug mit anderen Hobbies vereinen und neu auferstehen lassen. Seien wir ehrlich, in jedem von uns steckt noch ein Kind, gerade zur Weihnachtszeit. Und es schadet auch nichts, wenn man ab und zu mal etwas träumt.“

EE: „Träumen?“

TB: „Wie schön das Leben doch sein könnte, wenn man im Einklang mit seinen Mitmenschen und der Umwelt lebt. Sicher, aus dieser Sicht tobt in Waldesruh fast das rosarote Leben. Doch …“

EE: (unterbricht) „Rosarot sehe ich unser Leben nun nicht gerade! Wir in Waldesruh haben auch so unsere Probleme!“

TB: (lacht) „Das ist mir nicht verborgen geblieben. Das Leben ist nun einmal nicht geradlinig und rosarot. Aber es kommt ja darauf an, was man selbst daraus macht. Und da habt ihr Waldesruher bisher wohl immer alles richtig gemacht.“

EE: „Gibt es für die Geschichten und die Waldesruher Bewohner eigentlich reale Vorbilder? Oder entspringen wir doch nur alle deiner Fantasie?“

TB: „Handlungen und auch die Bewohner sind zu einem großen Teil erfunden. Jedoch steht hinter jeder Geschichte und auch hinter jedem Bewohner ein Stück weit die Realität. Es kann ja jeder einmal selbst in sich gehen und sich fragen, was steckt von mir in einer Person drin. Die besten Geschichten schreibt doch das Leben.“

EE: „Zwischen den Worten höre ich so etwas wie Gesellschaftskritik?“

TB: „Wer möchte, darf diese Kritik auch in Waldesruh und seinen Geschichten hinein interpretieren. Das ist auch ein Teil von Kreativität und Kunst. Mit Waldesruh werde ich die Gesellschaft nicht verändern können. Aber wenn nur ein paar Menschen da draußen in der realen Welt ein bisschen über unser heutiges Leben nachdenken, ist das doch ein kleiner Schritt in Richtung Veränderung.“

EE: „Der Sohn einer geneigten Leserin fragt, ob es Besuchstage gibt und ob man mitbasteln darf?“

TB: „Waldesruh kann gern nach Absprache besucht werden. Dabei kann natürlich auch das ganze andere Spielzeug bewundert werden. Über ein Mitbasteln allerdings habe ich mir selbst noch keine Gedanken gemacht. Aber wenn man auf diese Art und Weise Kinder einmal vom Smartphone, Playstation oder Fernseher wegholen kann, warum nicht?“

EE: „Was wird den Waldesruhern in Zukunft noch passieren? Würdest du uns einen kurzen Ausblick geben?“

TB: „Wenn ich wüßte, was in der Zukunft so passieren wird, dann säße ich nicht hier. Dann wäre aber auch letztendlich ein Teil der Überraschung weg. Nur soviel: in absehbarer Zeit wird es mehr von und in Waldesruh geben. Aber was das genau ist, möchte ich noch nicht verraten.“

EE: „Ohje, ein kurzer Blick zu Uhr zeigt, daß die Zeit schon wieder um ist! Kurz zum Abschluß: Was wünscht du dir persönlich für Waldesruh?“

TB: „Ganz einfach: das mir die Ideen nicht ausgehen! Ich habe mit Waldesruh selbst sehr viel Spaß und wenn es mir auch noch gelingt, einigen Menschen ein Lächeln in ihr Gesicht zu zaubern, dann ist das doch der beste Lohn, den man erhalten kann.“

EE: „Dann bin ich selbst gespannt auf das, was die Zukunft für Waldesruh bringt. Ich freue mich darauf und bedanke mich für dieses Interview! Könntest du uns ein paar Autogrammkarten zur Verfügung stellen?“

TB: „Jupp, das wäre möglich. Ich werde Fräulein Krause einen ganzen Karton zukommen lassen. Ich wünsche allen Waldesruhern und auch allen Lesern und Leserinnen des Waldesruher Tagesboten eine entspannte und besinnliche Vorweihnachtszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Jahr 2016!“

Edgar Ente ist ein Kind aus Waldesruh. Er interessiert sich sehr für die Natur und die Entwicklung seiner Heimat. Als Reporter hat er großen Anteil daran, dass der Ort Waldesruh quasi von der Öffentlichkeit „wieder entdeckt“ wurde und berichtet vornehmlich vom Leben aus diesem Ort.

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