25. Jahrestag des Mauerfalls

Auch im beschaulichen Ort Waldesruh wird dem 25. Jahrestag des Mauerfalls gedacht. Anders als in Berlin wird es aber hier keinen großen Festakt geben.

„Als vor 25 Jahren die Mauer geöffnet wurde, haben wir hier gar nichts mitbekommen. Anders als in Berlin leben wir ja nicht am Nabel der Welt. Wenn hier Politik gemacht wird, dann nur für Waldesruh.“ erinnert sich Egon Schulze an den 9. November vor 25 Jahren.

„Wir alle haben zwar die Berichte von den Demonstrationen gesehen, aber daß die Mauer dann so schnell fallen konnte, das haben wir nicht gedacht. Viele von uns haben den Abend gemütlich zu Hause verbracht und sich auf den nächsten Tag vorbereitet. Waldesruh hatte zwar ein Stückchen Mauer, aber keinen Grenzübergang. Das war alles Grenzgebiet, da durfte keiner hin und wollte auch keiner hin. Selbst die normalen Forstarbeiter durften nicht in den Wald, wo das Grenzgebiet war. Aber davon profitieren wir ja in Form des Nationalparks noch heute.“

Am Tag der Maueröffnung geschah in Waldesruh zunächst nichts. Es dauerte knapp eine Woche, bis die Grenzer hier am Ort einen kleinen Durchgang öffneten. Erst dann konnten die Waldesruher die Grenze überschreiten.

„Es war eine bewegende Zeit. Viele von uns fühlten sich von der bunten Warenwelt des Westens überwältigt. Doch was danach kam, war ein Trauerspiel. Für Waldesruh hat sich kein Wessi interessiert, hier gab es ja nichts zu holen. Im Gegenteil, im Zuge der folgenden Währungsreform verschwand bei uns die Kaufhalle und die Post – alles Einrichtungen, die wir jetzt erst wieder aufbauen.“ so Egon Schulze weiter.

Auf die Frage, ob er sich über den Wandel freue, meinte er, „das Leben geht weiter, egal wer da oben an der Regierung sitzt. Das war schon immer so, nur Kaiser Wilhelm war da eine Ausnahme. Wenn wir hier unser Leben nicht in die eigenen Hände nehmen, hilft uns keiner! Das haben wir auch in den letzten Jahren gesehen. Alles was hier nach der Wiederentdeckung unseres Ortes passiert ist, haben wir aus eigener Kraft realisiert. Und so wird das auch weitergehen.“

„Was wir heute feiern, ist unser eigenes Engagement und unseren Zusammenhalt. Dadurch haben wir viel erreicht und konnten viel bewahren. Darauf können wir mit Recht stolz sein. Und dafür lohnt es sich zu feiern, nicht nur heute.“

Rund um das Mauermuseum findet heute das Fest zum Mauerfall statt. Wie immer sind alle Besucher recht herzlich eingeladen. Der Bärenwirt wird wie immer für das leibliche Wohl aller soregen, diesmal mit originalen Gerichten aus der DDR.

Edgar Ente ist ein Kind aus Waldesruh. Er interessiert sich sehr für die Natur und die Entwicklung seiner Heimat. Als Reporter hat er großen Anteil daran, dass der Ort Waldesruh quasi von der Öffentlichkeit „wieder entdeckt“ wurde und berichtet vornehmlich vom Leben aus diesem Ort.

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